Montag, 27. April 2015

Ohne jede Spur von Lisa Gardner


Eine junge Frau verschwindet mitten in der Nacht – ohne jede Spur. Hübsch, blond, liebevolle Ehefrau und Mutter, Lehrerin, beliebt bei ihren Schülern. 
Als Detective Sergeant Warren das Haus in der idyllischen Vorstadtsiedlung Bostons betritt, scheint der Fall klar: Intakte Schlösser, keine Spuren eines Kampfes oder Einbruchs – Sandra Jones hat ihre Familie verlassen. 
Die Medien stürzen sich auf den Fall. Und schon bald sieht alles anders aus: Der Ehemann benimmt sich höchst verdächtig, die Tochter hütet ein Geheimnis, Nachbarn und Bekannte verstricken sich in Widersprüche. Und auch Sandra Jones’ Fassade bröckelt …

Familie Jones erscheint auf den ersten Blick wie eine Familie aus dem Bilderbuch. Das reizende vierjährige Töchterchen Clarissa, genannt Ree wird von ihren Eltern, dem Reporter Jason Jones und seiner jüngeren Frau Sandra, einer Lehrerin, liebevoll umsorgt. Damit immer ein Elternteil bei der Kleinen sein kann, wechseln sich die beiden in der Betreuung ab, was zur Folge hat, dass die Eheleute sich kaum sehen können. Dann, eines Nachts, als Jason von der Arbeit nach Hause kommt scheint alles zuerst wie immer. Doch als er das Schlafzimmer betritt findet er seine Frau Sandra nicht im gemeinsamen Ehebett vor. Ree liegt alleine mit dem Familienkater Mr. Smith in ihrem Bett und schläft. Ab diesem Zeitpunkt ist Sandra wie vom Erdboden verschwunden. Was ist passiert, dass die junge Mutter ihre Tochter mitten in der Nacht alleine gelassen hat? Detective Warren übernimmt den Fall und schon bald ist Ehemann Jason Jones ihr Hauptverdächtiger und für ihn und seine Tochter Ree ist nichts mehr wie es war….


Mit „Ohne jede Spur“ ist Lisa Gardner  ein spannender und rätselhafter Thriller gelungen. Ganz ohne viel Blutvergießen und Berge von Leichen begleitet der Leser die Ermittlungen der Detective D.D. Warren zu dem spurlosen Verschwinden einer jungen Ehefrau und Mutter. Geschickt und voller Spannung erzählt Gardner aus verschiedenen Sichtweisen, die den Leser Stück für Stück bis zum  Ende des Buches leiten. Man bleibt sozusagen bis  zum Schluss „ohne jede Spur“ , weil die Autorin immer wieder unerwartete Wendungen einbaut und somit jegliche Spekulationen zunichtemacht. Toll!  Die Charaktere bleiben für mich allesamt etwas undurchsichtig und wenig greifbar. Detective Warren war mir von Anfang an eher unsympathisch.  Der undurchsichtige Jason Jones fand durch seine fast schon teilnahmslose Art meine Ablehnung sowie auch Mitleid. Die verschwundene junge Mutter lernt der Leser aufgrund der kursiv gedruckten Passagen, in denen Gardner diese ihre Sichtweise und Geschichte erzählen lässt, etwas besser kennen. Auch Sandra Jones kann meine Sympathie nicht so richtig gewinnen. In mein Herz geschlossen habe ich die kleine Ree, die so tapfer und altklug die für sie sicherlich schreckliche Situation meistert. Ein Goldstück.

„Ohne jede Spur“  ist ein spannender und mitreißender Thriller mit einem sehr gut und flüssig zu lesenden Schreibstil und einer unvorhersehbaren Story, die den Leser schockiert zurücklässt. Nichts ist, wie es zu sein scheint, dieser Satz passt meines Erachtens hervorragend zu diesem Buch.  Ich wurde wunderbar unterhalten auch wenn mir das Tüpfelchen auf dem i doch irgendwie gefehlt hat, auch wenn ich dieses Gefühl nicht wirklich erklären kann. Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch!


Verlag: Rowohlt, Ebook (01.08.2011)
544 Seiten
ISBN 978-3-644-44741-7



Sonntag, 19. April 2015

Zwetschgendatschi-Komplott von Rita Falk



Der Rudi zieht ins Schlachthofviertel und staunt, als ihm eine riesige Krähe einen abgetrennten Frauenfinger zu Füßen legt. In ihrem sechsten Fall ermitteln der Eberhofer und der Rudi im Münchner Rotlichtmilieu – denn der Finger gehörte einer ermordeten Prostituierten. Während der Wiesn sterben weitere Frauen durch eine rätselhafte Mordwaffe …

Es ist Wiesn-Zeit in München und der Birkenberger Rudi wohnt seit neuestem im Schlachthofviertel. Und weil er da einen Mordsausblick hat, sitzt er ziemlich oft auf seinem neuen Balkon, der auch oft von vielen Krähen bevölkert wird. Eines Tages verliert eine dieser Krähen einen abgetrennten Finger direkt vor Rudis Füßen. Und wie der Rudi ebenso ist, findet er direkt auch die dazu gehörende Leiche in einem Abfallcontainer unweit der Birkenberg´schen Wohnung. Und so kommt es wie es kommen muss: Der Eberhofer Franz und der Birkenberger Rudi ermitteln wieder gemeinsam. Bald werden bei Bauarbeiten zwei weitere Frauenleichen gefunden, übel zugerichtet und wie schon die erste Leiche, trugen auch diese beiden ein Dirndl. Alle drei Frauen waren Asiatinnen und waren im Rotlichtmilieu tätig. Eins ist klar, der Mörder, kurzer Hand zum Wiesn-Mörder ernannt, muss geschnappt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn der Franz wird bei den Ermittlungen immer wieder abgelenkt, denn zu Hause in Niederkaltenkirchen soll ein Luxushotel gebaut werden und was die Dorfbewohner in zwei Lager teilt Um für Ruhe zu sorgen, muss der Franz schon mal wieder mit der Dienstwaffe ins die Luft ballern, es nützt alles nix. Und dann ist da ja noch das Geheimnis um die Susi….

Das Warten hat sich mal wieder gelohnt. Eberhofer ist einfach Kult und Rita Falk erzählt wie immer höchst unterhaltsam und bayrisch deftig die Geschichte rund um den neuesten Fall, den der Franz zusammen mit seinem Spetzl, dem Birkenberger Rudi aufzuklären hat. Selbstverständlich trifft man auch wieder alle anderen liebgewordenen Protagonisten, wie z.B. die Oma, die als Liebesbeweis ihrem Franz gerne mal die Wange „schlenzt“, der Papa, dem Kiffen und die Beatles das Liebste sind und natürlich der Leopold und seine Familie, allen voran die kleine Uschi, die vom Franz liebevoll Sushi genannt wird und in die er ganz vernarrt ist. Es ist auf jeden Fall ratsam, die Vorgängerbände zu lesen, nicht nur, weil auch diese allesamt einfach klasse und unterhaltsam geschrieben sind, vor allem aber, um die Protagonisten richtig kennen zu lernen. Alles in allem wieder ein gelungenes Buch, vor allem, weil sich die Autorin immer auch mal wieder in die Story mit einbaut, dieses Mal führen die Ermittlungen z.B. in die Rita-Falk-Straße („wer immer dieses Weib auch ist“). Einfach herrlich! Trotz des ganzen Lobes habe ich auch ein kleines bisschen Kritik anzumerken. Mir war der Krimi an sich in dieser Folge einfach ein bisschen zu dünn und die Aufklärung des Falles kommt dann irgendwie zufällig. Ein klitzekleines bisschen schade. Dennoch hatte ich meinen Spaß beim Lesen, lautes Rauslachen inklusive, daher ist der 6. Teil der Reihe um Franz Eberhofer auf jeden Fall eine Empfehlung wert! Und noch ein Tipp: es lohnt sich, die Rezepte von der Oma, die immer am Ende des Buches zu finden sind, einmal nach zu kochen. Ein Traum sag ich da nur….
Und noch eine Anmerkung: wer nicht so gerne liest, sollte sich unbedingt die Hörbücher anhören, Christian Tramitz haucht den Protagonisten Leben und Persönlichkeit ein und vermittelt einfach eine humorige Atmosphäre!


Das Buch kann hier bestellt werden: http://www.dtv.de/buecher/zwetschgendatschikomplott_26044.html

Verlag: dtv premium (April 2015)
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN 978-3-423-26044-2

Sonntag, 12. April 2015

Stoner von John Williams

Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ. Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahe bringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Der Klappentext sagt eigentlich schon einiges über diesen Roman aus, so dass ich mir heute mal wieder eine persönliche Zusammenfassung spare.
„Stoner“ von John Williams wurde als die Entdeckung von vielen Lesern und Kritikern hoch gelobt. Ich kann mich diesen Meinungen leider nicht anschließen. Zwar hat der Autor durchaus eine kluge, unaufgeregte und sprachlich sehr schöne Geschichte geschrieben, allerdings ist sie auch unheimlich trostlos und furchtbar langatmig. Ich habe teilweise viele Seiten einfach nur überflogen. Mit dem Hauptprotagonist William Stoner konnte ich so überhaupt nicht warm werden. Mehr oder weniger teilnahmslos nimmt er sein Leben einfach hin, erträgt seine seltsame und launische Frau ohne einmal auf den Tisch zu hauen. Überhaupt hat mich gestört, dass das seltsame Verhalten von Stoners Ehefrau nie aufgeklärt wird, man muss sich als Leser hierzu selbst seine Gedanken machen, was eventuell vom Autor so beabsichtigt war. Auf mich macht sie einen depressiven Eindruck. Alles in allem hat mich „Stoner“ überhaupt nicht überzeugt, vielmehr war ich enttäuscht. Trotzdem habe ich bis zum Schluss durchgehalten, weil ich letztlich doch wissen wollte, wie das traurige Leben des William Stoner endet. Ich vergebe nur drei, äußerst wohlwollende Sterne. 


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.dtv.de/buecher/stoner_28015.html?show=downloads#tabs


  • Verlag: dtv (September 2013)
  • Hardcover, 352 Seiten
  • ISBN 978-3-423-28015-0

Zerrspiegel von Katja Montejano

Ein brutaler Überfall stürzt das Leben der neunzehnjährigen Jazz in einen Abgrund voller Angst und Grauen. Gleichzeitig verschwinden ihre Mutter und Schwester - die Polizei steht vor einem schier unlösbaren Rätsel. Wurde die Familie Zielscheibe eines perversen Serienkillers oder steckt ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit hinter dem schrecklichen Geschehen? Ein gefährliches Katz- und Mausspiel zwischen Jazz und dem wahnsinnigen Mörder beginnt. Sein Plan ist Rache! Ihr Plan ist, zu überleben!

Jazz leidet an einer abgeschwächten Form des Asperger-Syndroms. Redewendungen und Phrasen versteht sie nicht wirklich und nimmt diverse Aussagen ihrer Mitmenschen mehr als wörtlich, was ihr Leben dadurch nicht immer einfach macht. Als die junge Frau brutal überfallen wird, sie sich aber durch aktive Gegenwehr wie durch ein Wunder befreien kann, ist nichts mehr in ihrem Leben wie es war. Ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester verschwinden spurlos, die Polizei hat keinerlei Anhaltspunkte und tappt im Dunkeln. Ihr Angreifer nimmt Kontakt zu ihr auf und entpuppt sich als eiskalter Mörder der nur eins will: sein Werk mit Jazz Tod zu Ende bringen…

Zu dem Buch „Zerrspiegel“ kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe es gewonnen, ohne dabei auch nur irgendwo mitgemacht zu haben. Toll! Herzlichen Dank nochmal an die Autorin Katja Montejano.

Einmal angefangen konnte ich den Thriller nicht aus der Hand legen, ich habe das Buch an einem Abend in einem Rutsch gelesen. Kurze spannende Kapitel, ein toller Schreibstil und eine interessante Story haben ihren Teil dazu beigetragen. Die Hauptprotagonistin Jazz ist absolut gelungen. Nicht nur einmal musste ich über ihre naive Art herzhaft lachen, aber auch der tief in ihrem Innern verborgene, zerbrechliche Teil hat mich sehr berührt. Der Thriller ist sicherlich nichts für schwache Nerven, Montejano beschreibt die blutigen und grausamen Szenen direkt und ohne Schnörkel. Leider haben sich doch einige Flüchtigkeits- und Rechtschreibfehler eingeschlichen, für mich ist das allerdings kein Grund einen Stern abzuziehen, der Thriller war kurzweilig, sehr spannend und hat mich unterhalten, das Ganze noch verpackt in knappen 231 Seiten. Was will man mehr? Von mir eine absolute Leseempfehlung – und das nicht, weil ich der Autorin für den Gewinn des Buches Honig um den Bart schmieren will…


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.swb-verlag.de/verlag/buecher/zerrspiegel?searched=zerrspiegel&advsearch=oneword&highlight=ajaxSearch_highlight+ajaxSearch_highlight1


  • Verlag: SWB Buchverlag (15.3.2015)
  • Taschenbuch, 280 Seiten
  • ISBN: 9783944264738

Bewusstlos von Sabine Thiesler

Er kam im Sommer. Völlig überraschend. Aber er war kein Mensch, er war ein Ungeheuer.
Als Raffael erwacht, sind sein Bett und seine Sachen voller Blut. Er gerät in Panik, denn ihm fehlt jegliche Erinnerung an die vergangene Nacht. Es gelingt ihm nicht herauszufinden, was passiert ist, aber wenn er getrunken hat, weiß er nicht mehr, was er tut. Mordet vielleicht, ohne es zu wissen.
Von seinen Eltern, die in der Toskana leben, fühlt er sich verraten und verlassen. Die beiden führen ein glückliches Leben und ahnen nicht, dass er in ihrer Nähe ist und sie längst im Visier hat ...

Der 28jährige Raffael hat als kleiner Junge bei einem tragischen Unfall seine Zwillingsschwester Svenja verloren. Davon hat er sich nie erholt. Seit Jahren hat er schon keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern und schlägt sich mehr oder weniger mit Aushilfsjobs durch, wie zurzeit als Hilfstechniker am Berliner Theater. Wohnen tut Raffael bei einer älteren Dame zur Untermiete, die nicht nur froh an dem zusätzlichen Geld ist, sondern auch Raffaels Nähe genießt. Sie verdrängt, dass der junge Mann auch eine düstere Seite in sich trägt, denn er neigt – vor allem wenn er zu viel getrunken hat, was ständig vorkommt – zu extremen Stimmungsschwankungen und gefährlichen Wutausbrüchen. Nach einer durchzechten Nacht erwacht Raffael eines Morgens über und über mit Blut verschmiert. Er selbst hat aber keinerlei erkennbare Verletzungen. Panisch versucht er sich zu erinnern was passiert ist, doch die letzte Nacht ist nur ein schwarzes Loch in seinen Erinnerungen. ..
„Bewusstlos“ von Sabine Thiesler hat mich gleich von Beginn an gefesselt, flüssig geschrieben und schön zu lesen mit einem spannenden Einstieg und fesselnd bis fast zum Schluss. Die Charaktere sind der Autorin meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Der Hauptprotagonist Raffael war mir gleich suspekt und trotz seiner schicksalsträchtigen Kindheit konnte ich ihm keine seiner Handlungen wirklich verzeihen, geschweige denn konnte ich sie nachvollziehen. Der erste Teil der Story beschreibt Raffaels Leben in Berlin, in der zweiten Hälfte verlegt Thiesler die Story in die Toskana. Hier beschreibt sie fantastisch und atmosphärisch die Gegend und ihre Bewohner. 
Das Ende war dann leider etwas enttäuschend! Es wirkte holprig, umkonstruiert und irgendwie „hingeklatscht“ und die permanente Spannung wurde jäh unterbrochen und lies viele Fragen unbeantwortet, schade!
Auch wenn „Bewusstlos“ in meinen Augen nicht so wirklich ein Thriller ist, hat Sabine Thiesler es geschafft mich von Anfang an mitzunehmen, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Wegen dem leider etwas komischen Ende, ziehe ich einen Stern ab.


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.randomhouse.de/Presse/Taschenbuch/Bewusstlos-Thriller/Sabine-Thiesler/pr411622.rhd?pub=30000&men=792&mid=5


  • Verlag: Heyne (14.7.2014)
  • Taschenbuch, 528 Seiten
  • ISBN: 978-3-453-41531-7

Die Stadt der besonderen Kinder von Ransom Riggs

Mit Müh und Not konnten Jakob und die besonderen Kinder aus der Zeitschleife, der Insel Cairnholm, vor ihren Feinden fliehen. Nun sind sie im England der 1940er Jahre gestrandet, immer noch verfolgt und ohne Beistand von Miss Peregrine, die sich nicht mehr in ihre Menschengestalt verwandeln kann. Um Miss Peregrine zu retten, brauchen die Kinder eine andere Magierin. Gerüchteweise lebt eine in London, und so machen sie sich auf den gefährlichen Weg in die zerbombte Stadt. Dort angekommen, finden sie schließlich Miss Wren und glauben schon, gerettet zu sein. Doch ausgerechnet hier, in ihrer vermeintlichen Zuflucht, erwartet sie der größte Verrat.

Nach dem Überfall der Wights ist die Welt der besonderen Kinder völlig aus den Fugen geraten. Gerade noch rechtzeitig konnten sie aus der Zeitschleife der Insel Cairnholm vor ihren Feinden fliehen. Auch Miss Peregrine, die Headmistress ist bei den Kindern, doch diese ist verletzt und kann sich aus ihrer Vogelgestalt nicht mehr ohne Hilfe zurückverwandeln. Dabei könnte die kleine Gruppe Anleitung und Beistand sehr gut gebrauchen, denn sie werden nicht nur gejagt, vielmehr müssen sie sich auch den Gefahren und Wirren des Zweiten Weltkrieges trotzen, sind sie doch im Jahre 1940 gestrandet. Jakob will bei den Kindern bleiben um ihnen mit seiner besonderen Gabe zu helfen und vorerst nicht zu seinen Eltern zurückkehren. Die besonderen Kinder versuchen eine Möglichkeit zu finden Miss Peregrine zu helfen, aber sie müssen sich beeilen, denn ihnen läuft die Zeit davon... 

Lange mussten die Leser auf die Fortsetzung des Buches „Die Insel der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs warten. „Die Stadt der besonderen Kinder“ steht Teil 1 der Reihe in nichts nach und Riggs knüpft ohne Einleitung nahtlos daran an. Da die Lektüre des ersten Bandes schon eine Weile her ist, hatte ich zuerst Mühe, wieder in die Geschichte zu finden und eine Beziehung zu den einzelnen Protagonisten aufzubauen. Keineswegs darf man in diesem Buch Seiten nur überfliegen oder unkonzentriert lesen, man könnte wichtige Dinge verpassen oder nicht verstehen. Riggs gelingt es Spannung zu erzeugen und diese fast permanent aufrecht zu erhalten. Besonders gut haben mir wieder die Bilder gefallen, die der Autor in die Geschichte mit eingebunden hat. Teils gruselig, teils mysteriös untermalen sie perfekt Riggs Erzählungen. 


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.droemer-knaur.de/buch/8133420/die-stadt-der-besonderen-kinder

  • Verlag: Droemer Knaur (02.02.2015)
  • Hardcover, 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-426-65358-6

Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence

Eine Geschichte, die erzählt, wie besonders Freundschaft sein kann

Alex Woods ist zehn Jahre alt, und er weiß, dass er nicht den konventionellsten Start ins Leben hatte. Er weiß auch, dass man sich mit einer hellseherisch begabten Mutter bei den Mitschülern nicht beliebt macht. Und Alex weiß, dass die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können – er trägt Narben, die das beweisen.

Was Alex noch nicht weiß, ist, dass er in dem übellaunigen und zurückgezogen lebenden Mr. Peterson einen ungleichen Freund finden wird. Einen Freund, der ihm sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und dass man immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen sollte.

Darum ist Alex, als er sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird, einigermaßen sicher, dass er das Richtige getan hat …

Alex Woods ist ein Außenseiter, unter anderem deswegen, weil seine Mutter einen Esoterikladen besitzt und anderen Menschen die Karten liest, aber hauptsächlich, weil er im Alter von zehn Jahren einen kleinen Meteoriten auf den Kopf bekommen hat, der ihn eine Woche lang ins Koma befördert und ihm neben einer großen Narbe auch epileptische Anfälle beschert hat. Als Alex einmal mehr vor seinen Klassenkameraden auf der Flucht ist, überquert er Mr. Petersons Grundstück und demoliert dessen Gewächshaus. Alex Mutter besteht darauf, dass der Junge den Schaden abarbeiten muss. Der gern für sich lebende, kiffende und mürrische Kriegsveteran Mr. Peterson und Alex sind also mehr oder weniger gezwungen miteinander auszukommen. Aus den anfänglichen Pflichtbesuchen entwickelt sich zwischen dem alten Mann und dem jungen Woods eine ungewöhnliche und tiefe Freundschaft. Warum Alex aber mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche Jahre später von der Polizei aufgegriffen wird, davon erzählt dieses Buch…

Gavin Extences Debüt "Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat" ist eine skurrile und einfühlsam geschriebene, Geschichte mit einem, wie ich finde, sehr gewöhnungsbedürftigem Schreibstil. Der Autor erzählt die Geschichte aus Sicht des Protagonisten Alex, dem als Kind ein Meteorit durchs Dach seines Elternhauses direkt auf den Kopf gefallen ist, und dieses Unglück wie durch ein Wunder fast völlig unbeschadet überstand. Der Leser lernt einen Jungen kennen der einerseits kindlich naiv, andererseits aber ein alles hinterfragender Klugscheißer ist, der einem in den Wahnsinn treiben kann. Auch mit dem kiffenden Kriegsveteran Mr. Peterson hat der Autor einen wunderbar skurrilen Protagonisten erschaffen, der mir im Laufe der Geschichte sehr ans Herz gewachsen ist. Das Einzige – und leider auch schwerwiegende - was mich an diesem Buch wirklich gestört hat, ist das fehlenden Tempo und die viel zu langen Monologe, die die Geschichte nur unnötig in die Länge zogen und die ich einfach genervt überblättert habe.

„Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ von Gavin Extence ist ein gewöhnungsbedürftiges, skurriles Buch über den ungewöhnlichen Jungen Alex Woods und seinem Freund Mr. Peterson,über Freundschaft und über ein Tabuthema und über den Sinn des Lebens.  


Das Buch kann hier bestellt werden: http://www.randomhouse.de/Presse/Buch/Das-unerhoerte-Leben-des-Alex-Woods-oder-warum-das-Universum-keinen-Plan-hat/Gavin-Extence/pr426981.rhd?pub=23000&men=809&mid=5


  • Verlag: Limes (3. März 2014)
  • Hardcover, 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-8090-2633-4

Todeskampf von Michael Robotham

Detective Constable Alisha Barba ist zutiefst beunruhigt, als sie ihrer Freundin Cate nach Jahren wiederbegegnet. Die hochschwangere Cate ist davon überzeugt, dass jemand hinter ihrem ungeborenen Baby her ist. Alisha will ihrer verzweifelten Freundin helfen, doch nur wenig später liegt Cate im Koma – sie wurde von einem Auto angefahren. Nachdem die Polizei das Ereignis als Unfall abgehakt hat, beginnt Alisha, auf eigene Faust zu ermitteln, und gerät in einen Sumpf aus Sex und Gewalt ...
Anlässlich eines Klassentreffens trifft Detective Constable Alisha Barba ihre ehemals beste Freundin Cate wieder. Das erste Mal seit vielen Jahren, nachdem ein Streit die beiden entzweit hatte. Cate ist hochschwanger und bittet verzweifelt um Alis Hilfe. Sie ist fest davon überzeugt, dass jemand ihr Baby wegnehmen möchte. Barba will die Hintergründe für Cates Vermutung erfahren doch ihre Freundin kann sich nicht mehr erklären, denn nach dem Klassentreffen werden sie und ihr Mann von einem Auto überfahren, Felix ist sofort tot, Cate stirbt wenige Zeit später im Krankenhaus wo sich herausstellt, dass Cate die Schwangerschaft nur vorgetäuscht hat. Diese Tatsache und die Äußerungen die Cate gegenüber Alisha hat fallen lassen, lassen Ali nicht zur Ruhe kommen. Zusammen mit dem pensionierten DI Vincent Ruiz begibt sie sich auf eigene Faust auf Spurensuche und gerät in ein Komplott aus Gewalt, Korruption und Menschenhandel…
„Todeskampf“ ist der dritte Teil der Joe O´Louglin-Reihe. Seltsam nur, dass der Professor in diesem Roman kein einziges Mal erwähnt wird. Gewohnt spannend und sehr komplex lässt Michael Robotham die Story dieses Mal aus der Sicht von Detective Constable Alisha Barba erzählen. Den Leser erwartet harte Kost, diesmal nicht nur in England sondern auch in Amsterdam, wo Robotham seinen Lesern Einblicke in die Machenschaften skrupelloser Geschäftsleute gewährt, bei denen es unter anderen um illegale Adoptionen und Menschenhandel geht. Gut gefallen hat mir, dass die Protagonistin Alisha näher vorgestellt wird. Die harte Zeit nach ihren schweren Verletzungen, der Kampf zurück ins Leben und der Alltag mit ihrer indischen Familie werden geschickt in die eigentliche Geschichte eingeflochten.
Alles in allem ist Robotham mit „Todeskampf“ wieder ein spannender, solider Krimi mit viel Tiefgang und Atmosphäre gelungen, der auch ganz ohne viel Blutvergießen und reißerische Actionszenen auskommt. Mir hat jedoch Professor O´Loughlin ein bisschen gefehlt...
  • Verlag: Goldmann (19.3.2012)
  • Taschenbuch, 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-442-47790-6

Es wird keine Helden geben von Anna Seidl

Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war. Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe? Das großartige Debüt von Anna Seidl, die erst 16 Jahre alt war, als sie diese aufwühlende Geschichte geschrieben hat: eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen eines Amoklaufs für die Überlebenden, mit Schuld und Trauer, schonungslos erzählt.

Die 15jährige Miriam ist ein ganz normaler Teenager. Sie hat coole Freundinnen und ihren süßen Freund Tobi mit dem sie auf Wolke 7 schwebt. Seitdem ihre Eltern sich getrennt haben, lebt Miriam bei ihrem Vater, ihre Mutter tingelt durch die Weltgeschichte und hat sich ewig nicht blicken lassen. Doch dann verändert nur ein einziger Moment Miriams ganzes Leben. Ein Mitschüler läuft an ihrer Schule Amok, erschießt Schüler und Lehrer, darunter auch Tobi. Miriam wird völlig aus der Bahn geworfen, lässt niemanden an sich heran, fühlt sich leer und kraftlos. Dann taucht auch ihre Mutter wieder auf und will nach all den Jahren wieder für ihre Tochter da sein. Damit kann Miriam nicht umgehen. Der Teenager fragt sich immer wieder, warum das alles passieren konnte und ob sie und ihre Freunde nicht auch die Schuld an dieser Katastrophe trifft. Eine harte Zeit der Trauer und Auseinandersetzung mit dem Geschehenen liegt vor Miriam…

Der Debütroman „Es wird keine Helden geben“ der noch ganz jungen Autorin Anna Seidl wird aus der Sicht der Protagonisten Miriam erzählt. Dieser Erzählstil lässt den Leser zusammen mit Miriam die schwierige Zeit nach dem Amoklauf erleben. Ihre Ausbrüche, die nächtlichen Alpträume und ihr Rückzug vom Leben. Ihre erschreckenden aber doch auch nachvollziehbaren Gedanken und die schwere Auseinandersetzung mit der Katastrophe. ihre Wut und Hilflosigkeit und vor allem ihre Schuldgefühle. Wie kann sich die Erde weiterdrehen, wie können Menschen einfach weiterleben? Anna Seidl hat mit dem Teenager Miriam eine starke Persönlichkeit erschaffen, die es mit viel Willenskraft schafft, nach einem so schrecklichen Ereignis zurück ins Leben zu finden. Ein schnörkelloser, erschreckender und berührender Jugendroman zu einem immer aktuellen Thema.


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.oetinger.de/buecher/jugendbuecher/details/titel/3-7891-4746-X/17120/30072/Autor/Anna/Seidl/Es_wird_keine_Helden_geben.html


  • Verlag: Oetinger (Januar 2014)
  • Hardcover, 256 Seiten
  • ISBN-13: 978-3-7891-4746-3

Das Kindermädchen von Elisabeth Herrmann

Joachim Vernau ist ganz oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Er steht kurz davor, in die wohlhabende und einflussreiche Familie der von Zernikows einzuheiraten, nicht ahnend, dass ihre Ehrbarkeit nicht viel mehr als Fassade ist. Als eine ukrainische Frau auftaucht und behauptet, die von Zernikows hätten im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin beschäftigt, lässt das Familienoberhaupt sie kurzerhand hinaus werfen. Wenig später wird sie tot aus dem Landwehrkanal geborgen. Vernau beginnt unangenehme Fragen zu stellen und kommt nicht nur der Identität der Frau sondern auch dem lukrativen Geschäft mit enteigneter Kunst auf die Spur …
Rechtsanwalt Joachim Vernau verkehrt dank seiner Lebensgefährtin Sigrun in den besten Kreisen Berlins. Die aus Berlin stammende hoch angesehene Familie „von Zernikow“ ist nach dem Zweiten Weltkrieg zu großem Reichtum gelangt. Familienoberhaupt Utz führt eine erfolgreiche Anwaltskanzlei, Sigrun, die das 'von' aus ihrem Namen gestrichen hat strebt eine erfolgreiche Politikerkarriere an. Vernau und Sigrun stehen kurz vor ihrer Hochzeit und Utz von Zernikow will den Mann seiner Tochter als Partner in seiner Anwaltskanzlei. Als eines Tages eine alte Frau auf dem Anwesen von Utz eine Unterschrift auf einem Dokument einfordert, das die Zwangsarbeit des ehemaligen Kindermädchens Natalja Tscherdnitschenkowa anerkennen soll, wird sie barsch vertrieben. Als sie wenige Tage später tot aufgefunden wird, beginnt Vernau, sich für die Geschichte der Familie von Zernikow und deren Vergangenheit zu interessieren und von da an verändert sich Joachim Vernaus Leben schlagartig, denn mit Hilfe der Anwältin Marie-Luise beginnt er, Nachforschungen anzustellen und kann nicht nur Licht in die dunkle Vergangenheit der Zernikows bringen, sondern auch sich und Marie-Luise in große Gefahr…
„Das Kindermädchen“ von Elisabeth Herrmann ist das Erste aus der Reihe rund um den Rechtsanwalt Joachim Vernau. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, die Reihe von Anfang an zu lesen und war ehrlich gesagt vom Auftakt gleich schon etwas enttäuscht. Die Grundidee einen Krimi über die Nazi-Geschichte Deutschlands und die Zwangsarbeit im Dritten Reich zu schreiben finde ich sehr gut. Allerdings beginnt die Story schleppend und wenig spannend, vieles wirkt konstruiert und unglaubwürdig. Erst im zweiten Drittel kommt dann Spannung auf, jedoch bleiben Aha-Effekte und unterschiedliche Wandlungen aus. Den Anwalt in die Rolle eines Super-Agenten schlüpfen zu lassen der eine kratzbürstige „Cat Woman“ als Assistentin hat, macht es irgendwie nicht besser. Die Protagonisten sind mir teilweise wirklich sehr überzogen und wirklichkeitsfremd dargestellt. Unterhaltsam fand ich die Szenen mit Vernaus Mutter und ihrer Freundin „Hütchen“. 
Alles in allem war der Krimi ganz gut zu lesen, bei mäßiger Spannung konnte der Leser jedoch etwas „Berliner Luft“ schnuppern und sich mal mehr oder weniger gut unterhalten lassen. Trotz der Enttäuschung werde ich dem zweiten Teil der Reihe eine Chance geben. Drei Sterne von mir!


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.randomhouse.de/Presse/Taschenbuch/Das-Kindermaedchen-Roman/Elisabeth-Herrmann/pr210365.rhd?pub=4000&men=783&mid=5


  • Verlag: Goldmann (9.10.2007)
  • Taschenbuch, 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-442-46455-5

Das Haus der vergessenen Bücher von Christopher Morley

New York, 1919. Roger Mifflin hat seine größte Leidenschaft, das Lesen, zum Beruf gemacht. In seinem Antiquariat in Brooklyn findet man ihn dort, wo der Tabakrauch am dichtesten ist. Unterstützt wird er von seiner ebenso patenten wie resoluten Ehefrau und seinem Hund Bock - Bock wie Boccacio. Bücher sind Mifflins Leben. Von Werbemaßnahmen für sein Geschäft will er allerdings nichts wissen, und so lässt er den jungen Aubrey Gilbert, angestellt bei der Grey Matter Agency, ziemlich abblitzen, als der ihm seine Dienste anbietet. Dennoch freunden sich die beiden an, und bald kommt Gilbert täglich ins Geschäft. Was auch an Mifflins neuer Hilfskraft liegen mag - der schönen Titania Chapman, deren Leben in Gefahr zu sein scheint. Und das gilt nicht nur für ihr Leben ...

Meines Erachtens sagt der Klappentext schon genug über den Inhalt aus, so dass ich mir meine eigene Zusammenfassung heute mal wieder spare.
Für mich ist es ein bisschen schwierig, meine Meinung zu dem Buch in Worte zu fassen und die Einordnung in eine Kategorie fällt mir ebenfalls schwer. In erster Linie ist „Das Haus der vergessenen Bücher“ natürlich ein Buch über Bücher und die Liebe zu diesen. Viele schöne Buchzitate kann der Leser hier entdecken, teilweise echt, teilweise vom Autor erfunden, das gleiche gilt für die im Buch genannten Bücher. Des Weiteren erzählt das Buch einen Hauch von Liebesgeschichte und eine Prise Kriminalroman. Einerseits hat mich Christopher Morleys Geschichte gefesselt, andererseits war es mir stellenweise viel zu langatmig, vor allem die verschiedenen Geschichten über die einzelnen Bücher. „Das Haus der vergessenen Bücher“ ist im Jahr 1919 auf Englisch erschienen und der Schreibstil ist dementsprechend verschnörkelt charmant und bildhaft. Ich hatte die kleine Buchhandlung förmlich vor Augen und konnte den Pfeifentabak riechen, mit dem sich Mr. Mifflin umgibt. Die Protagonisten sind Christopher Morley sehr gut gelungen, sympathisch und aus dem Leben gegriffen, vor allem die freundliche Mrs. Mifflin hat es mir angetan, auch wenn sie in diesem Buch eher eine Nebenrolle verkörperte. 

Das Buch bekommt, trotz der langatmigen Passagen trotzdem vier Sterne, aufgrund seiner charmanten, klugen und verzaubernden Schreibweise. Sicherlich kein Buch für jedermann.
"Die Menschen brauchen Bücher, wissen es aber nicht. Meist wissen sie gar nicht, dass es die Bücher die sie brauchen, überhaupt gibt." (Zitat von Seite.13)


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/das-haus-der-vergessenen-buecher-hoerbuch-7177/#Buch


  • Verlag: Hoffmann und Campe (8.9.2014)
  • Hardcover, 256 Seiten
  • ISBN: 978-3-455-60012-4

Die Lichtung von Linus Geschke

Sommer 1986: Eine Kölner Clique verbringt ein Party- Wochenende in einer Blockhütte im Bergischen Land. Zwei Tage lang Bier, Musik, Baggersee und Flirts. Am Ende sind zwei junge Menschen tot – das Mädchen vergewaltigt und erstochen, der Junge brutal erschlagen. Der Doppelmord wird nie aufgeklärt. Der Kölner Zeitungsredakteur Jan Römer soll Jahre später über den ungelösten Kriminalfall schreiben. Römer erinnert sich gut, denn das Wochenende im Wald war das Ende seiner Jugend – er gehörte selbst zu jener Clique. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Mütze will er herausfinden, was damals wirklich geschah. Zu spät merkt er, in welche Gefahr er sich dadurch bringt...

Jan Römer ist Journalist und soll in Vertretung für den kranken Kollegen aus der Abteilung „Ungelöste Kriminalfälle“ einen Artikel schreiben. Als Jan sieht, über was er da schreiben soll, wird er augenblicklich in die Vergangenheit katapultiert. Ein nie aufgeklärter Doppelmord, der vor 27 Jahren geschah, die Opfer zwei Teenager. Eine Tragödie, die Römers unbeschwerte Jugend abrupt enden lässt, denn 1986 waren die beiden Opfer seine Freunde und Teil einer unzertrennlichen Clique. Im ersten Moment will der junge Journalist nicht tun, was von ihm erwartet wird. Er will nicht erinnert werden an diesen schrecklichen Teil seiner Vergangenheit und an das dunkle Geheimnis, dass seit damals tief in ihm verborgen schlummert. Als Jan dann doch die Unterlagen zu dem Fall durchliest, stößt er auf schöne Erinnerungen, schreckliche Details und einige Ungereimtheiten. Zusammen mit seiner besten Freundin und Ex-Kollegin Mütze macht er sich daran herauszufinden was damals wirklich geschah und endlich Licht ins Dunkel zu bringen…

„Die Lichtung“ von Linus Geschke ist ein Buch, das man kaum noch aus der Hand legen kann. Gut und flüssig geschrieben und auch ganz ohne viel Blutvergießen und reißerische Action-Szenen ist dieser Krimi spannend von Anfang bis zum Ende. Der Autor erzählt aus der Sicht des Journalisten Jan Römer in zwei Handlungssträngen. In der Gegenwart begleitet der Leser den Journalisten bei seinen Recherchen zu dem Mordfall und ist dabei, wenn Jan alte Bekannte wieder trifft und befragt. In der Vergangenheit wird der Leser mitgenommen auf eine Reise ins Jahr 1986, in die unbeschwerte Zeit von Jans Clique, die u.a. geprägt war von der ersten großen Liebe, Sex, Fußball und das Schrauben an ihren Mopeds. Gut gefallen hat mir, das Geschke immer wieder die Musik aus der damaligen Zeit aufgegriffen hat, so mancher Leser hat sich sicherlich - so wie ich - zurück in seine Jugend versetzt gefühlt. Die Charaktere sind dem Autor meines Erachtens wunderbar gelungen, Er schafft es, die Personen, glaubhaft und authentisch wirken zu lassen. 

Ein absolut gelungener und spannender Debüt-Krimi über Freundschaft, erste Liebe und einem tragischen Wochenende im Bergischen Land, das das Leben aller Beteiligten für immer verändert. Absolute Leseempfehlung!


Das Buch ist hier bestellbar: http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/die-lichtung-9783548286365.html

  • Verlag: Ullstein (10.10.2014)
  • Taschenbuch, 384 Seiten
  • ISBN-13 9783548286365

Passagier 23 von Sebastian Fitzek

jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt ... 

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler. 
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm... 

Martin Schwartz ist Undercover-Ermittler bei der Berliner Polizei, der seinen Job eiskalt und ohne Einschränkungen ausführt. Da sind die Rasur seines Kopfes oder das eigenständige Entfernen eines Schneidezahnes eher noch die harmloseren Dinge, es zählt nur, dass das was er tut seiner Tarnung und der Sache dient. Nur das alleine ist für Martin Schwartz wichtig, die Opfer die er dafür erbringen muss sind ihm dabei völlig egal. Sowieso seid er bei einer Kreuzfahrt seine Frau und seinen Sohn verloren hat. Dann bekommt Martin einen Anruf von einer Frau namens Gerlinde Dobkowitz. Sie befindet sich auf dem Kreuzfahrtschiff Sultan of the Seas, eben jenem Schiff, auf dem Schwartzs Frau und Sohn um Leben gekommen sind. Nie wieder wollte Martin etwas mit diesem Schiff zu tun haben, aber die Informationen die er von Gerlinde am Telefon erhält lassen ihn umgehend reagieren. Ein verschwunden geglaubtes Mädchen taucht nach Wochen wieder auf dem Schiff auf, verstört und verletzt und sie hat den Teddybär von Martins Sohn Thimmy im Arm. Der Undercover-Ermittler muss wohl eine Kreuzfahrt unternehmen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Passagier 23 von Sebastian Fitzek. Spiegel-Bestseller und von vielen Lesern und Fitzek-Fans hoch gelobt. Ich möchte mich jetzt nicht als solchen bezeichnen, finde aber doch einige Bücher des Autors sehr gelungen. Dieses hier gehört für mich eindeutig nicht dazu. Passagier 23 ist – typisch Fitzek - auf jeden Fall spannend geschrieben. Dem Autor gelingt es durch relativ kurze Kapitel, die meist mit einem Cliffhanger enden, die Spannung relativ hoch zu halten, was dazu führt, dass man als Leser das Buch zu Ende lesen möchte, sei es nur um zu wissen, wie es ausgeht. Als Handlungsort ein Kreuzfahrtschiff zu nehmen und als Thema das Verschwinden von Personen von eben solchen in einen Thriller zu packen finde ich faszinierend. Doch das wars dann auch irgendwie schon. Von den Charakteren fand ich keinen wirklich sympathisch, alle schienen mir oberflächlich beschrieben, teilweise wirken ihre Handlungen völlig unrealistisch und es waren mir einfach zu viele! Allgemein wirkt die ganze Geschichte für mich verwirrend und vor allem überzogen. So viele schreckliche Dinge und Menschen vereint auf einem einzigen Kreuzfahrtschiff scheint mir doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Das Ende – unterbrochen von Fitzeks Danksagung - war dann zwar für mich unerwartet, aber durch die Unterbrechung wirkte das Ganze irgendwie lahm. Alles in allem hat mich das Buch zwar ganz gut unterhalten, hat mich aber – wie so manch anderer Thriller des Autors – nicht gefesselt. Nette Grundidee , die Aufgrund des Handlungsortes relativ einzigartig ist und wohl in Erinnerung bleiben wird. Ob bei mir kann ich nicht sagen. Für Fitzek-Fans vermutlich ein Muss, für alle anderen kann ich nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen. 


Das Buch ist hier bestellbar: https://www.droemer-knaur.de/buch/Passagier+23.8418232.html


  • Verlag: Droemer Knaur (30.10.2014)
  • Hardcover, 432 Seiten
  • ISBN: 978-3-426-19919-0

Tschick von Wolfgang Herrndorf

«Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›» Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.
Maik Klingenberg, Schüler aus gutem Hause, so wirkt es zumindest vordergründig, denn der Vater ein Egoist, die Mutter eine Langzeitalkoholikerin mit ständigen Besuchen auf der Entzugs-„Beautyfarm, ist in seiner Klasse eher ein Außenseiter, vielleicht auch ein Langweiler, wer weiß das schon so genau. Als der neue Mitschüler Andrej Tschichatschow  in Maiks Klasse kommt, gibt es einen Außenseiter mehr.  Tschick wirkt teilnahms- und lustlos und ist im Unterricht teilweise so besoffen, dass e eine ausgeprägte Fahne von ihm ausgeht. Und keiner der beiden Jungs hat sie bekommen! Die ultimative Einladung zu Tatjanas Geburtstagsparty, das coolste Ereignis  des Jahres. Dabei ist Maik doch so furchtbar verliebt in Tatjana! Die Sommerferien liegen lang und langweilig vor ihm, die Mutter wieder mal auf Entzug, der Vater auf „Geschäftsreise“ mit seiner Assistentin und Maik auf sich gestellt. Was ihm bleibt, sind endlose Tage am Pool und ein Haus für sich allein. Bis eines Tages Tschick mit einem geklauten Lada vor seiner Tür steht und es beginnt eine aufregende und spannende Reise, die eigentlich nur zu Tschicks Onkel in die Walachei führen soll…
Mit dem Slang der Jugend erzählt Wolfgang Herrndorf die spannende Reise von Maik und Tschick die mit ihrem geklauten Lada irgendwo in den Vororten Berlins das Abenteuer ihres Lebens erfahren. Der Leser begleitet die beiden Teenager wie sie zusammen skurrile und interessante Menschen kennenlernen z.B. eine etwas seltsame Familie die durch Lösen von Rätseln um den größten Nachtisch buhlen, das Mädchen Isa , das allem Anschein nach auf einer Mülldeponie lebt, und kurz zu ihrer Reisebegleitung wird, der letzte etwas irre Bewohner einer Bergbaufolgelandschaft. Man darf miterleben, wie „Graf Lada und Graf Koks“ wie sich die beiden im Buch irgendwann betiteln,  immer mehr zum Dreamteam zusammenwachsen und echte Freunde werden.
Herrndorf beginnt das Buch sozusagen mit dem Ende der Geschichte und an dieser ist man leider viel zu schnell angekommen. Er schreibt in der Ich-Form und lässt Maik mit viel Wortwitz und Komik aber auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit seinen Roadtripp mit Tschick erzählen. Kurzweilig und unterhaltsam, ein echter Pageturner ,den ich an einem Abend verschlungen habe. Ein Wohlfühlbuch für Jung und Alt gleichermaßen das von mir eine absolute Leseempfehlung und voll krass  5 Sterne bekommt.
  • Verlag: rororo (17.9.2010)
  • Hardcover, 256 Seiten
  • ISBN 978-3-87134-710-8

Eeene Meene - einer lebt einer stirbt von M.J. Arlidge

Ein perfider Killer kidnappt Paare. Die Opfer wachen orientierungslos auf, gefangen in einem Raum, niemand hört ihre Schreie. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit, nur eine Waffe und die Botschaft des Entführers: Entweder sterben beiden einen langsamen, qualvollen Tod – oder einer bringt den anderen um und ist frei.
Detective Inspector Helen Grace und ihr Team wissen nicht weiter; nichts scheint die Fälle zu verbinden. Doch die Entführungen sind so akribisch vorbereitet, so konsequent durchgeführt, dass es einen Plan geben muss.
Und für Helen, die nach außen so stark und unberührbar erscheint, ist die Zeit gekommen, ein weiteres Mal ihre eigene Hölle zu durchschreiten, Brücken einzureißen und über Grenzen zu gehen.
Der Auftakt zur Thrillerreihe um Detective Inspector Helen Grace!
Sam und Amy verliebt und glücklich wollen nach dem Besuch eines Konzertes nach Hause trampen. Sie werden auch mitgenommen, aber zu Hause kommen die beiden nicht an. Sie erwachen in einem alten Schwimmbad, ohne Essen und Trinken und ohne Möglichkeit auf ein Entkommen. Sie entdecken ein Handy und eine Pistole und bekommen schon bald ein perfides Angebot. Derjenige der zur Pistole greift um den anderen zu erschießen, kommt frei. Zwei Wochen später wird Amy entdeckt, halb wahnsinnig und fast verhungert. Detective Inspector Helen Grace glaubt zuerst nicht an die Geschichte des Mädchens, die hält Amy für eine Mörderin, doch warum? Bald darauf verschwinden zwei weitere Menschen, dieses Mal kein Pärchen, sondern zwei Männer, auch von ihnen beiden wird nur einer Überleben. Helen Grace und ihr Team müssen  sich eingestehen, dass ein perfider Killer sein Unwesen treibt. Dann ein erster Hinweis, alle entführten Personen haben auf irgendeine Weise einen Bezug zu Helen Grace und eine spannende Verfolgung beginnt und der Fall wird für Helen zu einem persönlichen…
„Eene Meene“ ist der Auftakt zu einer Reihe rund um Detective Inspector Helen Grace. Aufgebaut ist der Thriller in relativ kurze spannende Kapitel die, wie ich finde den Spannungsbogen sehr gut halten können. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut zu lesen. Der Leser wird mit menschlichen Abgründen und persönlichen Dramen konfrontiert, was die Frage aufwirft, wie man selbst in diesen Situationen reagieren würde. Wäre man bereit einen Menschen, vielleicht sogar einen Menschen den man liebt, zu töten nur um selbst überleben zu können? Die Protagonisten kommen leider etwas blass daher, ohne wirklich viel Tiefgang, hier kann man natürlich auf die Fortsetzungen der Reihe und auf mehr Hintergründe und eine klarer gezeichnete Darstellung der Charaktere hoffen. Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen,  im Grundsatz hat es mich ein wenig an den Film „Saw“ erinnert.  Ich bin gespannt auf mehr! Leseempfehlung und vier Sterne von mir.
Das Buch ist hier bestellbar: http://www.rowohlt.de/buch/3119520
  • Verlag: rororo (2.5.2014)
  • Taschenbuch, 368 Seiten
  • ISBN 978-3-499-26883-0

Amnesie von Michael Robotham

Halb ertrunken wird Detective Inspector Vincent Ruiz aus der Themse geborgen und liegt tagelang im Koma. Wieder bei Bewusstsein fängt sein Alptraum allerdings erst an, denn er kann sich an die letzten Wochen nicht erinnern. Sein einziger Anhaltspunkt ist das Foto eines Mädchens: Die kleine Mickey Carlyle war drei Jahre zuvor entführt worden und gilt seither als tot. Mit Hilfe des Psychologen Joe O‘Loughlin gelingt es Vincent, Teile seiner Erinnerung zurückzugewinnen. In ihm wächst der Verdacht, dass Mickey noch lebt und in großer Gefahr schwebt …
Detective Inspector Vincent Ruiz wird aus der Themse gefischt, eine Kugel hat sein Bein durchschossen, sein Ringfinger fehlt. Er hat viel Blut verloren und ist halb tot. Im Krankenhaus liegt er tagelang im Koma und als er daraus erwacht muss er erfahren, dass er unter Amnesie leidet. Ruiz kann sich an die Vorfälle der letzten Woche nicht erinnern, weiß nicht warum er angeschossen wurde und in der Themse gelandet ist. Psychologe Joe O`Loughlin ist zur Stelle und hilft dem Detective dabei, die aufkommenden Erinnerungsfetzen zu einem Großen und Ganzen zusammenzusetzen. Anscheinend war Ruiz an einer Lösegeldübergabe im Fall des verschwundenen Mädchens Mickey Carlyle beteiligt. Das Mädchen wurde drei Jahre zuvor entführt und gilt als tot. Ein Verdächtiger wurde verhaftet und verurteilt. Doch Vincent hat nie so recht an den Tod Mickeys geglaubt. Seine Erinnerungen lassen ihn klar werden, dass er auf eigene Faust und ohne Hilfe seiner Kollegen von der Polizei ermittelt hat, der Fall wird zu seiner persönlichen Obsession. Gelingt es Ruiz die kleine Mickey lebend zu finden, oder verrennt er sich in seiner Besessenheit kläglich auf einer falschen Spur?
„Amnesie“ ist nach „Adrenalin“ das zweite Buch rund um den an Parkinson erkrankten Professor Joe O`Loughlin. Auch dieses Mal steht er der Polizei, allen voran dem Detective Inspector Vincent Ruiz, in beratender Weise zur Seite. Die Story wird aus der Sicht von Ruiz erzählt und der Leser durchlebt mit ihm zusammen seine immer wieder aufkommenden Erinnerungsfetzen, seine Rückschläge auf der Suche nach der kleinen Mickey  und auch Einblicke in seine Kindheit, die ihm O´Loughlin entlocken kann. Mir gefällt, dass der Professor in dieser Story nur ein Nebenrolle spielt und der Leser dadurch Vincent Ruiz näher kennenlernt. „Amnesie“ ist alles andere als ein reißerischer Thriller der von permanenter Hochspannung lebt, vielmehr plätschert die Geschichte ein wenig vor sich her, fast so, wie stellenweise wohl die Themse. Leider macht es den atmosphärisch dichten und gut durchdachten Thriller dadurch etwas langatmig.  Am Ende wird’s dann nochmal richtig spannend und unvorhersehbar.  Auf jeden Fall ein Buch für Michael Robotham und London-Fans. Von mir gibt’s 4 Sterne und natürlich durchaus eine Leseempfehlung.
  • Verlag: Goldmann (14.3.2011)
  • Taschenbuch, Klappenbroschur, 448 Seiten
  • ISBN: 978-3-442-47643-5

Ein Mann namens Ove von Fredrik Backman

Haben Sie auch einen Nachbarn wie Ove? Jeden Morgen macht er seine Kontrollrunde und schreibt Falschparker auf. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben ist und man ihn vorzeitig in Rente geschickt hat, sieht er keinen Sinn mehr im Leben und trifft praktische Vorbereitungen zum Sterben. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet …
Ove, 59, von seiner Firma in Zwangsrente geschickt ist der Schreck aller Nachbarn. Bei seinen täglichen Kontrolltouren durch das Viertel schreibt der fast schon neurotische Griesgram u.a. Falschparker auf und prüft die Mülltrennung seiner Mitbewohner. Autofahrer, die trotz Verbot in Oves Viertel fahren werden in ihre Schranken verwiesen. Regeln sind ihm das wichtigste und diese müssen auch unbedingt eingehalten werden. Doch eigentlich macht für Ove so nichts mehr richtig Sinn, seit seine Frau Sonja gestorben ist. Ove will eigentlich nur noch eins, seiner geliebten Frau in den Tod folgen. Er hat alles durchdacht, letzte Anweisungen geschrieben, seinen feinen Anzug angezogen, die Art seines Selbstmords gewählt. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die all seine Pläne zunichte machen, sich in sein Leben einmischen, andere mit hineinziehen und Ove den letzten Nerv rauben, aber auch das frei setzen, was Ove lange in sich verborgen hat: sein gutes Herz….
Der Ove! Für mich ist das Buch eines meiner absoluten Lesehighlights! Trotz seines verbitterten nörgeligen Charakters mochte ich Ove eigentlich gleich von Anfang an. Fredrik Backman gewährt dem Leser nicht nur Einblick in Oves jetziges Leben sondern auch in dessen Vergangenheit. Schritt für Schritt und Kapitel für Kapitel erfährt man so mehr über den Menschen Ove und sein Schicksal. Die Geschichte wird so bildhaft erzählt, dass man sich förmlich als Bewohner der Reihenhaussiedlung fühlt und alles vom Fenster aus interessiert mitbeobachtet. Vor allem die Situationen zwischen Ove und der Katze, einfach herrlich. Teilweise musste ich aufgrund der beschriebenen Situationskomik laut rauslachen und zum Ende sind sogar Tränen geflossen. Die Protagonisten hat der Autor meines Erachtens perfekt getroffen, jeder Einzelne ist genau richtig so wie er ist, echt und lebensnah. Vielleicht sieht man nach diesem Roman manche älteren Menschen in einem etwas anderen Licht und hinterfragt  nun ihre verschrobenen oder pedantischen Handlungen. Für mich ein großartiges, warmherziges und tiefgründiges  Buch über Nachbarschaft, Liebe und Freundschaft, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.
  • Verlag: Fischer Krüger
  • Hardcover, 368 Seiten
  • ISBN 978-3-8105-0480-7

Todesqual von Robert Ellis

Eine junge schwangere Frau wird tot in ihrem Bett gefunden – vom Bauch bis zur Kehle aufgeschlitzt. Detective Lena Gamble von der Mordkommission in Los Angeles glaubt zunächst, dass die Frau von ihrem Mann getötet wurde. Aber als weitere brutale Frauenmorde verübt werden, wird klar, dass die schrecklichen Taten auf das Konto eines perversen Serienmörders gehen. Der Killer vergewaltigt seine Opfer, bevor er sie tötet, weshalb die Presse ihn zynisch „Romeo“ tauft. Lena ermittelt fieberhaft – und gerät bald selbst in das Visier des Serienkillers …
Detective Lena Gamble und ihr Partner Novak der kurz vor seiner Pensionierung  steht, werden zu einem Mordfall gerufen. Eine junge Frau, schwanger  wurde auf grausame Weise getötet und ihre Leiche makaber in Szene gesetzt. Zuerst geht die Mordkommission davon aus, dass ihr Ehemann für den Mord verantwortlich ist. Viele Indizien sprechen dafür.  Doch dann die erschreckende Erkenntnis: Los Angeles hat einen neuen Serienkiller, der seine Opfer zuerst vergewaltigt und dann grausam tötet. Die Morde nehmen zu und mit ihnen die Brutalität. Lena und ihr Team ermitteln fieberhaft, doch der Täter scheint immer eine Spur voraus zu sein. Besitzt der Mörder etwa Insiderwissen? Doch Lena hat noch andere Sorgen. Sie hat noch immer nicht mit dem Tod an ihrem Bruder abgeschlossen und mit ihrem neuen Fall wird auch der Mord an David neu aufgerollt. Bald steht Lena selbst im Blickpunkt des Killers und weiß irgendwann nicht mehr, wem  in ihrem Umfeld sie noch trauen kann…
„Todesqual“ von Robert Ellis ist mal wieder ein älteres Schätzchen aus meinem Bücherregal und als solches kann man es auch durchaus bezeichnen.  Es dauert ein bisschen, bis man als Leser richtig in die Story eintaucht, zuerst deutet alles auf einen durchschnittlichen Thriller hin. Doch dann ist man mittendrin in einem richtig guten und spannenden Thriller. Man begleitet die toughe Protagonistin Lena bei ihrer mühsamen Polizeiarbeit, die realistisch und nachvollziehbar beschrieben wird.  Die junge Frau wirkt sympathisch und echt. Auch wenn der Autor die Identität des Killers bald Preis gibt, tut das der Spannung keinen Abbruch, im Gegenteil.  Der Leser ist zusammen mit dem Mörder der Polizei immer den entscheidenden Schritt voraus,  was das Mitfiebern noch spannender werden lässt. Ellis bedient sich in seinem Buch den üblichen Klischees eines Thrillers, was dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tut.  Zum Ende überschlagen sich dann die Ereignisse, diverse Wendungen und überraschende Ereignisse führen zu einem spannenden und rasanten Showdown.  Alles in allem ein guter und spannender Thriller, für den ich sehr gerne gute vier Sterne gebe. Für den 5. Stern hat mir dann letztlich doch das letzte Quäntchen Originalität gefehlt.
  • Verlag: Goldmann (9. Juni 2008)
  • Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten
  • ISBN: 978-3-442-46625-2


Samstag, 11. April 2015

Honigtot von Hanni Münzer

Wie weit geht eine Mutter, um ihre Kinder zu retten?
Wie weit geht eine Tochter, um ihren Vater zu rächen?
Wie kann eine tiefe, alles verzehrende Liebe die Generationen überdauern und alte Wunden heilen?

Als sich die junge Felicity auf die Suche nach ihrer Mutter macht, stößt sie dabei auf ein quälendes Geheimnis ihrer Familiengeschichte. Ihre Nachforschungen führen sie zurück in das dunkelste Kapitel unserer Vergangenheit und zum dramatischen Schicksal ihrer Urgroßmutter Elisabeth und deren Tochter Deborah. Ein Netz aus Liebe, Schuld und Sühne umfing beide Frauen und warf über Generationen einen Schatten auf Felicitys eigenes Leben.
Felicity ist Ärztin, möchte in ihrer Heimat, den USA, alles zurücklassen und einen Job in Kabul annehmen. Doch dann verschwindet ihre Mutter von heute auf morgen. Ihre Spur führt nach Rom, wo Felicity nicht nur ihre Mutter findet, sondern auch einen Teil ihrer Vergangenheit: das Schicksal ihrer Urgroßmutter Elisabeth und deren Tochter Deborah.
München 1923: Die junge, erfolgreiche und etwas naive Sängerin Elisabeth Malpran ist mit dem jüdischen Arzt Gustav Berchinger verheiratet. Bald schon kommt Tochter Deborah zur Welt, einige Jahre später Sohn Wolfgang. Die Nationalsozialisten, allen voran Adolf Hitler, erlangen immer mehr Einfluss und Macht im Land und das Leben für Gustav und die „Mischlingskinder“ wird immer gefährlicher. Die Familie plant eine Flucht – getrennt voneinander - ins Ausland. Gustav reist zuerst und verschwindet spurlos. Elisabeth, die sich ihrer Beliebtheit bei den Nazi-Größen bewusst ist, reist nach Berlin um etwas über den Verbleib ihres Mannes in Erfahrung zu bringen. Ohne Erfolg. Stattdessen geraten ihre Kinder zu Hause in München in die Fänge der SS. Scheinbare Unterstützung erhält Elisabeth von Obersturmbannführer Albrecht Brunnmann. Diesen heiratet Elisabeth zwei Jahre nach Gustavs Verschwinden. Nicht aus Liebe, sondern als Lebensversicherung für ihre Kinder Wolfgang und Deborah. Mit 41 stirbt die kämpferische Elisabeth und die junge Deborah muss fortan die Verantwortung für ihren Bruder Wolfgang übernehmen. Das Schicksal macht die junge Frau zur Geliebten Brunnmanns. Deborah reist nun viel mit dem Obersturmbannführer und während eines Aufenthalts in Krakau lernt sie Marlene kennen, eine junge Frau und Geliebte eines Nazi-Offiziers. Doch Marlene ist eine Widerstandskämpferin und Deborah, bei der trotz allem Luxus das Elend der jüdischen Bevölkerung nicht unentdeckt bleibt, schließt sich ihr an…
„Honigtot“ von Hanni Münzer habe ich in zwei Tagen verschlungen. Die Einführung mit Felicity und ihrer Mutter Martha habe ich noch als etwas langatmig empfunden, aber dann hat es mich bis zur letzten Seite gefesselt.. Mit einem tollen Erzählstil nimmt die Autorin den Leser mit in die Zeit des Nazi-Regimes und des Holocaust. Authentisch beschreibt Münzer diese Zeit des unfassbaren Leids und Schreckens. Die Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet, menschlich und echt und in ihrem Handeln absolut nachvollziehbar, was besonders auf die Hauptprotagonistinnen zutrifft. Klasse fand ich, dass die Protagonistin Deborah Menschen wie Oskar Schindler oder Amon Göth getroffen hat, die so mancher Leser aus dem Film „Schindlers Liste“ kennen dürfte. Alles in allem eine wunderbar spannende, ergreifende und gefühlvolle Familiengeschichte über Liebe, Schuld und Sühne, bei der am Ende trotz allen Leids die Liebe siegt. Ein tolles Buch, zählt für mich zu einem der besten Bücher die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich werde mir sicherlich die Seelenfischer-Trilogie von Frau Münzer noch näher anschauen. Ich vergebe für „Honigtot“ bewundernde 5 Sterne und spreche eine absolute Leseempfehlung aus!
  • Verlag: Piper (02.01.2015)
  • Epub, 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-492-96900-0

Der Tote vom Zentralfriedhof von Beate Maxian

Nun, da ihre Kolumne über Aberglauben ein voller Erfolg ist, will die junge Journalistin Sarah Pauli eine neue Serie über das mystische Wien starten. Spannende Informationen dazu erhofft sie sich von der Fremdenführerin Erika, die Führungen zu den geheimnisvollen Orten der Stadt veranstaltet. Doch kurz vor ihrem Treffen verschwindet Erika spurlos. Sarah macht sich auf die Suche nach ihr und stößt auf einen aufsehenerregenden Fall: Vor Kurzem wurde der Sarg eines verstorbenen Millionärs vom Wiener Zentralfriedhof gestohlen – ein Ort, an dem noch so manches dunkle Geheimnis begraben liegt ...
Sarah Pauli, Journalistin und erfolgreiche Kolumnistin beim „Wiener Boten“ plant eine neue Serie über das mystische Wien. Bei einer in Wien tätigen Fremdenführerin, die Spaziergänge zu den geheimnisvollen Orten der Hauptstadt anbietet, erhofft sich Sarah nähere Informationen für ihre Arbeit. Doch zu einem Treffen kommt es nicht, denn Erika Holzmann verschwindet spurlos. Angeblich wurde sie von zwei Polizisten in ihrer Wohnung abgeholt mit der Begründung, ihr Mann Roman habe einen Unfall gehabt. Die Polizei geht von einer Entführung aus, aber es werden keine Lösegeldforderungen gestellt. Fast zeitgleich verschwindet auf dem Zentralfriedhof ein Sarg aus einem Mausoleum. Darin befindet sich die Leiche eines verstorbenen Wiener Immobilien-Millionärs. Hat das Verschwinden von Erika Holzmann etwas mit dem Sargraub zu tun? Sarah macht sich, zusammen mit Roman Holzmann und einem Freund der Familie, ein alter General mit guten Kontakten, auf die Suche nach der Fremdenführerin. In welche Gefahr begibt sich Sarah Pauli bei der Lösung des Rätsels?
„Der Tote vom Zentralfriedhof“ ist mein erster Krimi von Beate Maxian. Aufmerksam darauf wurde ich durch viele positive Meinungen und Bewertungen des Buches worauf meine Erwartungen relativ hoch waren und leider nicht erfüllt wurden.
Die Autorin bedient sich eines flüssigen und gut zu lesenden Schreibstils, ihr Erzählfluss und somit leider auch der Spannungsbogen werden aber immer wieder gestört durch faktenreiche Erklärungen über Mystik und Aberglauben. Sicherlich geht es in diesem Buch ja vorwiegend auch darum, allerdings waren mir diese Passagen meist an den falschen Stellen angesetzt, so dass gerade aufkommende Spannung zunichte gemacht wurde. Gestört hat mich hier auch die einfache Journalistin, die ihre Nase zu weit in Angelegenheiten steckt, die sie nichts angehen, eindeutig ihre Kompetenzen überschreitet und die zum krönenden Abschluss einen mit allen Wassern gewaschenen Auftragskiller mit einem unspektakulären Stein außer Gefecht setzt! Naja. Trotz allem hat mich Beate Maxians Wien-Krimi mehr oder weniger doch ganz gut unterhalten. Auch wenn die Erklärungen und Fakten über den Zentralfriedhof und das mystische Wien dem Krimi oft die Spannung genommen haben, so waren sie doch interessant zu lesen. Das beschriebene Ende der Story war zwar naheliegend, aber rasant und spannend.
Mein Fazit: ein interessanter und spannender Grundgedanke der leider in meinen Augen nicht gut umgesetzt wurde.
Das Buch kann hier bestellt werden: 
  • Verlag: Goldmann (17.6.2014)
  • Taschenbuch, Broschur 416 Seiten
  • ISBN: 978-3-442-48069-2