Samstag, 11. April 2015

Der Besucher von Sarah Waters

Hundreds Hall, ein majestätisches Anwesen im ländlichen England, Wohnsitz der Familie Ayres. Als der Landarzt Dr. Faraday wegen eines Notfalls herbeigerufen wird, ist er wie gebannt von der geheimnisvollen Atmosphäre des Hauses. Doch schon bald erfährt er, dass in Hundreds Hall merkwürdige Dinge geschehen: Möbelstücke, die ein Eigenleben führen, bedrohliche Geräusche, die unerklärbar scheinen. Dr. Faraday begegnet der wachsenden Panik der Familie zunächst mit Ruhe. Doch das Schicksal der Ayres nimmt unaufhaltsam seinen Lauf - und ist enger mit seinem eigenen verwoben, als er ahnt ...
Der ortsansässige Landarzt Dr. Faraday war schon als Kind von dem Landsitz Hundreds Hall fasziniert. Einmal war er in seiner Kindheit in dem beeindruckenden Herrenhaus u.a., weil seine Mutter dort als Kindermädchen arbeitete. Als er wegen einem Notfall nach Hundreds Hall gerufen wird ist er nach wie vor gebannt von dessen geheimnisvoller Atmosphäre aber auch erschrocken bezüglich des heruntergekommenen Zustandes. Faraday entwickelt sich nach und nach zum Freund und Berater der Familie als merkwürdige Dinge im Haus und mit den Bewohnern geschehen. Alles fängt damit an, dass der gutmütige Hund der Familie bei einer Abendveranstaltung das Kind eines Gästeehepaares beißt…ab diesem Moment beginnt eine unheimliche und tragische Kettenreaktion…
Mit „Der Besucher“ ist Sarah Waters ein geheimnisvoll düsterer und atmosphärisch hochwertiger Roman gelungen. Sie beschreibt das England der Nachkriegszeit und dessen gesellschaftliche Veränderungen sehr bildhaft. Schon allein das Cover finde ich sehr gelungen und spiegelt wunderbar den Roman wider. Obwohl die Handlung auf den ersten ca. 200 Seiten ruhig dahinplätschert habe ich mich damit sehr wohl gefühlt und mich in keinster Weise gelangweilt. Der schnörkellose Schreibstil, Story und Charaktere haben mir gut gefallen. Sehr gut umgesetzt hat die Autorin, wie der Verfall von Hundreds Hall  sich zunehmend auf die Psyche seiner Bewohner auswirkt.  Ob schließlich wirklich irgendetwas Übernatürliches in den Mauern des alten Anwesens passiert oder gar tatsächlich ein jahrelanger Fluch auf der Familie liegt, wird komplett offen gelassen. Die Autorin bietet jedoch auch eine rationale Erklärung, die der aufmerksame Leser mehr zwischen den Zeilen lesen kann und man kann für sich entscheiden ob einem diese Erklärung als die Wahrscheinlichste erscheint. Ein Roman für den man Geduld braucht, auf den man sich einlassen muss und der nachwirkt. Einen Stern Abzug muss ich leider geben für den Gruselroman, der meines Erachtens nicht wirklich einer ist und eine gewisse Langatmigkeit die immer mal wieder auftritt.
  • Verlag: Bastei Lübbe (12.10.2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-404-16767-8

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