Samstag, 11. April 2015

Honigtot von Hanni Münzer

Wie weit geht eine Mutter, um ihre Kinder zu retten?
Wie weit geht eine Tochter, um ihren Vater zu rächen?
Wie kann eine tiefe, alles verzehrende Liebe die Generationen überdauern und alte Wunden heilen?

Als sich die junge Felicity auf die Suche nach ihrer Mutter macht, stößt sie dabei auf ein quälendes Geheimnis ihrer Familiengeschichte. Ihre Nachforschungen führen sie zurück in das dunkelste Kapitel unserer Vergangenheit und zum dramatischen Schicksal ihrer Urgroßmutter Elisabeth und deren Tochter Deborah. Ein Netz aus Liebe, Schuld und Sühne umfing beide Frauen und warf über Generationen einen Schatten auf Felicitys eigenes Leben.
Felicity ist Ärztin, möchte in ihrer Heimat, den USA, alles zurücklassen und einen Job in Kabul annehmen. Doch dann verschwindet ihre Mutter von heute auf morgen. Ihre Spur führt nach Rom, wo Felicity nicht nur ihre Mutter findet, sondern auch einen Teil ihrer Vergangenheit: das Schicksal ihrer Urgroßmutter Elisabeth und deren Tochter Deborah.
München 1923: Die junge, erfolgreiche und etwas naive Sängerin Elisabeth Malpran ist mit dem jüdischen Arzt Gustav Berchinger verheiratet. Bald schon kommt Tochter Deborah zur Welt, einige Jahre später Sohn Wolfgang. Die Nationalsozialisten, allen voran Adolf Hitler, erlangen immer mehr Einfluss und Macht im Land und das Leben für Gustav und die „Mischlingskinder“ wird immer gefährlicher. Die Familie plant eine Flucht – getrennt voneinander - ins Ausland. Gustav reist zuerst und verschwindet spurlos. Elisabeth, die sich ihrer Beliebtheit bei den Nazi-Größen bewusst ist, reist nach Berlin um etwas über den Verbleib ihres Mannes in Erfahrung zu bringen. Ohne Erfolg. Stattdessen geraten ihre Kinder zu Hause in München in die Fänge der SS. Scheinbare Unterstützung erhält Elisabeth von Obersturmbannführer Albrecht Brunnmann. Diesen heiratet Elisabeth zwei Jahre nach Gustavs Verschwinden. Nicht aus Liebe, sondern als Lebensversicherung für ihre Kinder Wolfgang und Deborah. Mit 41 stirbt die kämpferische Elisabeth und die junge Deborah muss fortan die Verantwortung für ihren Bruder Wolfgang übernehmen. Das Schicksal macht die junge Frau zur Geliebten Brunnmanns. Deborah reist nun viel mit dem Obersturmbannführer und während eines Aufenthalts in Krakau lernt sie Marlene kennen, eine junge Frau und Geliebte eines Nazi-Offiziers. Doch Marlene ist eine Widerstandskämpferin und Deborah, bei der trotz allem Luxus das Elend der jüdischen Bevölkerung nicht unentdeckt bleibt, schließt sich ihr an…
„Honigtot“ von Hanni Münzer habe ich in zwei Tagen verschlungen. Die Einführung mit Felicity und ihrer Mutter Martha habe ich noch als etwas langatmig empfunden, aber dann hat es mich bis zur letzten Seite gefesselt.. Mit einem tollen Erzählstil nimmt die Autorin den Leser mit in die Zeit des Nazi-Regimes und des Holocaust. Authentisch beschreibt Münzer diese Zeit des unfassbaren Leids und Schreckens. Die Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet, menschlich und echt und in ihrem Handeln absolut nachvollziehbar, was besonders auf die Hauptprotagonistinnen zutrifft. Klasse fand ich, dass die Protagonistin Deborah Menschen wie Oskar Schindler oder Amon Göth getroffen hat, die so mancher Leser aus dem Film „Schindlers Liste“ kennen dürfte. Alles in allem eine wunderbar spannende, ergreifende und gefühlvolle Familiengeschichte über Liebe, Schuld und Sühne, bei der am Ende trotz allen Leids die Liebe siegt. Ein tolles Buch, zählt für mich zu einem der besten Bücher die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich werde mir sicherlich die Seelenfischer-Trilogie von Frau Münzer noch näher anschauen. Ich vergebe für „Honigtot“ bewundernde 5 Sterne und spreche eine absolute Leseempfehlung aus!
  • Verlag: Piper (02.01.2015)
  • Epub, 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-492-96900-0

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