Donnerstag, 13. August 2015

Das große Schweigen von Katja Montejano

Klappentext:
Atme, so lang du noch kannst!« – diese bizarre Nachricht erreicht die ehemalige Kripobeamtin Primerose Bouillé kurz nach dem Mordanschlag auf ihren Vater, einen Berner Staranwalt. Es ist für sie der Anfang eines Alptraums. Ein gnadenloser Killer beginnt ein grausames Spiel und tötet Schlag auf Schlag ihre Freunde. Als Primerose erkennt, dass auch ihr Leben bedroht ist, trifft sie eine einsame Entscheidung ...

Zum Inhalt:
Im Prolog wird ein junges Mädchen von drei Männern bewegungsunfähig gemacht und auf grausame Weise misshandelt…


Der Berner Staranwalt Ferdinand Bouillé wird zum Opfer eines Mordanschlags. Er überlebt schwer verletzt. Der Täter ist jedoch kein gewalttätiger Attentäter der im ganzen Land auf der roten Liste steht, er ist auch kein Gegner, der mit dem Ausgang eines Falles nicht zufrieden war und sich deshalb an dem Anwalt rächen wollte. Nein, es war eine alte geisteskranke Frau, die Ferdinand niedergestochen hat und die sich nach der Tat aus Bouillés Bürofenster zu Tode stürzt. Bis dahin ahnt noch niemand, welches schreckliche Schicksal hinter diesem Anschlag steckt. Erst als weitere Morde an Menschen im direkten Umfeld von Ferdinand Bouillé verübt werden und seine Tochter, die ehemalige Kripobeamtin, Primerose anonyme Drohnachrichten auf ihr Handy erhält, wird klar, dass es hier um mehr geht als nur um einen Amoklauf einer Verwirrten. Ist der Täter etwa auf einem Rachefeldzug? Und wenn ja, was haben Ferdinand Bouillé und Primrose damit zu tun? Die junge Frau und der Kripobeamte Luc setzen alles daran, dieses Rätsel zu lösen…

In dem Kriminalroman „Das große Schweigen“ greift Katja Montejano ein Thema auf, dass zu einem dunklen Stück Schweizer Geschichte gehört. Es geht um die administrative Versorgung. Diese war eine in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts praktizierte öffentliche Zwangsmaßnahme, die durch eine Verwaltungsbehörde verfügt wurde und bei der auffällige Jugendliche und Erwachsene ohne Gerichtsurteil oder sogar Anhörung in sogenannte Arbeits- oder Erziehungsanstalten eingewiesen werden konnten. Gründe für so eine Einweisung waren Prostitution, Drogensucht, aber auch diejenigen, die als „arbeitsscheu“ galten wurden eingewiesen. Erst 1981 wurde aufgrund des hohen Drucks der Europäischen Menschenrechtskonvention die administrative Versorgung in der Schweiz endlich abgeschafft. 

Erst einmal vielen Dank an Katja Montejano und dem emons Verlag, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben.

Die Autorin hat einen schönen Schreibstil, der sich leicht und flüssig lesen lässt. Das Buch startet gleich rasant mit einem rätselhaften Prolog, der gleich Lust auf mehr macht. Seite für Seite kommt der Leser dann dem Geheimnis auf die Spur. Hart und schonungslos beschreibt Katja Montejano die blutigen Folterszenen und auch die Umgangssprache der Hauptprotagonisten ist stellenweise sehr derb formuliert. Kein Buch für schwache Nerven. Die Protagonisten sind der Autorin meines Erachtens sehr gut gelungen. Sie hat Personen erschaffen, die menschlich und realistisch agieren. An Primerose ist nicht nur der Name ungewöhnlich, sie wird als eine Frau dargestellt die Ecken und Kanten hat und kein klischeehaftes engelsgleiches blondes Püppchen ist, welche den leitenden Ermittler aufgrund ihrer Erscheinung und ihrem Augenaufschlag ins Bett bekommt. 

Grundsätzlich kann man an Katja Montejanos Kriminalroman nichts aussetzen, doch ich bin mit dem Buch einfach nicht warm geworden, es hat mich einfach nicht mitgenommen. Mir persönlich hat die in vielen anderen Rezensionen hochgelobte und allgegenwärtige „Hochspannung“ schlichtweg gefehlt. Das Ende hat mir nicht so gut gefallen und war letztlich auch mehr oder weniger vorhersehbar. Für mich war das Vorgängerbuch „Zerrspiegel“ um Welten besser und spannender, lediglich das Lektorat hat bei „Das große Schweigen“ einen besseren Job gemacht.

Mein Fazit: Interessant, gut geschrieben, tolle Protagonisten, aber mir hat leider das gewisse Etwas gefehlt, das einen Krimi oder Thriller für mich ausmacht und die notwendige Spannung erzeugt. Eine Leseempfehlung kann ich hier also nur bedingt aussprechen.


Das Buch kann direkt hier bestellt werden:
http://www.emons-verlag.de/programm/das-grosse-schweigen

Verlag: emons (16. Juli 2015)
Broschur, 256 Seiten
ISBN-13: 978-3954516575

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