Dienstag, 5. Januar 2016

Inside IS - 10 Tage im "Islamischen Staat" von Jürgen Todenhöfer


Klappentext:
Zehn Tage lang reist Jürgen Todenhöfer als erster westlicher Publizist in Begleitung schwer bewaffneter Jihadisten durch den „Islamischen Staat“. Eine abenteuerliche Unternehmung mit ungewissem Ausgang. Doch nur so ist es möglich, das Leben der gefährlichsten Terroristen der Welt hautnah nachzuvollziehen, ihren Alltag, ihre Motive. Bislang ist es niemandem gelungen, den IS so genau zu recherchieren. Todenhöfer: „Man muss dort gewesen sein, um das IS-Phänomen zu verstehen. Man muss seine Feinde kennen, wenn man sie besiegen will.“
Eindringlich wird vor den unmenschlichen und radikalen Zielen des IS gewarnt, für die es keine Rechtfertigung gibt. Vor allem keine islamische. Der IS sei ein Kind des völkerrechtswidrigen Kriegs gegen den Irak. Todenhöfers dramatischer Report aus dem „Reich des Bösen“ ist eine eindringliche Mahnung, um einen politischen Ausweg aus der Gewaltspirale im Mittleren Osten zu finden. Und ein Plädoyer für eine klügere Antiterrorpolitik.

Zum Inhalt:
In Jürgen Todenhöfer reift eine Idee, er will den „Islamischen Staat“ bereisen, denn um die Ideologie und die Motive des IS auch nur im Ansatz nachzuvollziehen, muss man vor Ort recherchieren. Es folgen zuerst viele Skype-Gespräche mit deutschstämmigen Islamisten, darunter auch Abu Quatadah, mit dem er bald detailliert seine Reise und die damit verknüpften Bedingungen aushandelt. Auch trifft sich Jürgen Todenhöfer mit der in Deutschland lebenden Mutter Abu Quatadahs, der einmal Christian E. war, um mehr über dessen Leben vor dem IS zu erfahren. Todenhöfer, sein Sohn und ein Begleiter werden schließlich vom IS „eingeladen“ und erhalten die Absicherung, dass ihnen auf dieser Reise kein Schaden zugefügt wird und sie das Land lebend verlassen können. Von der Türkei aus werden Todenhöfer und sein Team nach Syrien eingeschleust, von dort aus bereist er den Irak und die Millionenstadt Mosul. Es gibt Gespräche mit IS-Kämpfern, deren Gefangenen und auch mit der Bevölkerung. Dabei stehen die drei Reisenden unter ständiger Beobachtung durch IS-Kämpfer, frei bewegen oder gar filmen dürfen sie nur in Ausnahmefällen. Die Lage ist fortwährend angespannt, hinzukommen drohende Angriffe durch Kampfdrohnen oder –Flugzeuge. Nach 10 Tagen im „Islamischen Staat“ kommen Todenhöfer und sein Team wieder wohlbehalten in der Türkei an.

Jürgen Todenhöfers Dokumentation „Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat“ liest sich spannend und erschreckend wie ein Thriller, nur dass es sich hier um brutale und grausame Realität handelt. Todenhöfer schreibt, was man, vor allem auch bei uns im Westen, nicht unbedingt hören möchte und doch will der Autor mit seiner Einstellung keineswegs Verständnis für die Gräueltaten und die Ideologie des IS wecken. Das Buch beginnt mit der Entstehung und der „Geschichte“ des Islamischen Staates, es folgt die Aufklärung über den doppelmoralischen Westen und letztlich kommt es dann zum für mich spannendsten Teil des Buches, der Aufenthalt im „IS“. Todenhöfer, sein Sohn und ein Begleiter riskieren ihr Leben um Einsicht in das IS-Phänomen zu bekommen. Sein Schreibstil ist flüssig, wenn auch nicht immer neutral, was er aber immer wieder auszugleichen versucht.
Ich möchte hier klarstellen, dass ich das Buch an sich bewerte und nicht Todenhöfers Weltanschauung oder seine Selbstdarstellung,  die man in diesem Buch kaum überlesen kann. Trotzdem bewundere ich den Mut den er und seine Begleiter aufgebracht haben, um diese Reise ins Ungewisse anzutreten. Was bleibt ist ein spannender und fesselnder Bericht, mit leider doch vielen Wiederholungen, der von mir aber klar eine Leseempfehlung bekommt, wenn auch mit Abzügen.


Das Buch kann hier bestellt werden:
https://www.randomhouse.de/Buch/Inside-IS-10-Tage-im-Islamischen-Staat/Juergen-Todenhoefer/e487332.rhd

Verlag: C.Bertelsmann (27. April 2015)
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
ISBN:  978-3570102763

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