Montag, 11. April 2016

Romeo & Romy von Andreas Izquierdo




Zum Inhalt:
Romy ist Souffleuse beim Theater und dort ein bisschen so etwas wie die gute Seele. Tief in ihrem Inneren würde sie aber lieber selbst auf den Brettern stehen und die Julia an der Seite von Romeo Ben spielen. Bei der Premiere zu "Romeo und Julia" von Shakespeare geht dann aber alles in die Hose. Desaster statt rauschender Beifall und große Premierenfeier. Ein Bühnenarbeiter steckt Romy fälschlicherweise und nicht wie ursprünglich gedacht in der Pause, einen Zettel mit einer traurigen Nachricht zu. Ihre Oma Lene ist gestorben. Diese Nachricht lässt Romy vor Trauer erstarren. Genau in diesem Moment hat der gute Romeo einen Texthänger woraufhin nicht nur seine schauspielerische Leistung, sondern auch die des gesamten Ensembles in einer Katastrophe endet. Am nächsten Tag werden Regisseur, Romeo, Julia sowie auch Romy zur Rede gestellt. Doch leider verliert nur die Souffleuse Romy ihren Job. Die junge Frau kehrt nach Hause zurück, in ein kleines Dorf irgendwo tief in der sächsischen Provinz. Zum einen um ihre Wunden zu lecken und sich zu verkriechen, zum anderen um Oma Lenes Erbe anzutreten. Die Dorfbewohner sind überwiegend alte Leute, des Lebens müde und nur noch darauf aus, die letzten zwei Gräber auf dem dorfeigenen Friedhof zu ergattern. Um sich selbst, und vor allem den Alten im Dorf eine Aufgabe zu geben, reift in Romy die Idee, aus Oma Lenes alter Scheune ein elisabethanisches Theater zu bauen...

Das neue Buch von Andreas Izquierdo ist da! Schon seine Bücher wie „Apocalypsia“, "Das Glücksbüro" oder "Der Club der Traumtänzer" konnten mich jedes auf seine Art begeistern und berühren. Auch mit „Romeo und Romy“ ist dem Autor wieder eine wunderbar warmherzige und unterhaltsame Geschichte gelungen. Izquierdo hat mit den alten Dorfbewohnern einzigartige und liebenswerte Charaktere erschaffen, die jeder für sich durch ihre Eigenschaften und Besonderheiten bestechen. Jeder Einzelne ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Romy und Ben waren mir leider etwas zu oberflächlich dargestellt, vor allem bei Ben hat mir die Tiefe gefehlt, auch wenn der Autor durch die Entwicklung, die Ben in der Geschichte durchlebt, sicher das Gegenteil bewirken wollte. Romy hat auf mich zu gutgläubig gewirkt, eine Person ohne Ecken und Kanten. Hier bin ich froh, dass die Liebesgeschichte zwischen den beiden nur eine Nebenrolle erhalten hat. Was mich etwas verwirrt hat, ist, dass fast jeden Abend in der Dorfkneipe „Muschebubu“ ein wahres Trinkgelage stattgefunden hat.Meines Erachtens setzt das dann doch etwas falsche Signale. Trotz allem hat mich die Geschichte berührt und ein ums andere Mal zum Lachen gebracht. Sie zeigt auf, dass mit viel Zusammenhalt und gutem Willen große Dinge möglich sind, wenn man nur daran glaubt, dass man sich auch im Alter noch Ziele stecken sollte und sich nie aufgeben darf.

„Romeo und Romy“ ist ein gefühlvolles und zu Herzen gehendes Buch mit dem für Andreas Izquierdo typischen und wunderbaren Schreib- und Erzählstil. Doch auch wenn ich ihn in einem Rutsch durchgelesen habe, kommt der Roman doch nicht ganz an seine Vorgänger wie z.B. „Das Glücksbüro“ heran, weswegen ich leider ein Sternchen abziehen muss. Dennoch ein absolut lesenswertes, berührendes und vor allem unterhaltsames Buch.


Das Buch kann hier bestellt werden:
http://www.suhrkamp.de/buecher/romeo_und_romy-andreas_izquierdo_36141.html

Verlag: Insel Verlag (11. April 2016)
Taschenbuch, 491 Seiten
ISBN: 978-3-458-36141-1

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