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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Die Stille vor dem Sturm von Marina Heib

Tödlicher Segeltörn – Nervenaufreibender Thriller

Die drei Söhne des Kieler Reeders Wendelstein sollen zusammen mit Freunden die Luxus-Yacht “Dorada“ von Gran Canaria in die Karibik überführen. Doch alles läuft anders als geplant. Bis auf Tim, den jüngsten Wendelstein Sohn, der kurzfristig abgesagt hat, gehen alle auf den Kanaren an Bord. Doch die Stimmung in der Gruppe ist angespannt und zu allem Übel muss die Besatzung kurz nach Antritt der Reise einen Schiffbrüchigen aufnehmen. Als ein Mord passiert, herrschen Angst und Misstrauen unter den Freunden. Für alle ist klar, der Fremde ist der Mörder, doch stimmt das wirklich?


Marina Heib hat mich mit ihrem sprachgewaltigen Thriller „Drei Meter Unter Null“ bereits 2017 überzeugt. Auch ihr neuestes Buch „Die Stille vor dem Sturm“ konnte mich, vor allem auch aufgrund des ungewöhnlichen Settings, begeistern.

Wie schon erwähnt, hat es mir in diesem Thriller besonders das Setting angetan. Bis auf einen nicht unwichtigen Nebenschauplatz spielt sich die Handlung auf der Luxus-Yacht ab. Von Anfang an herrscht dort eine angespannte und hochexplosive Stimmung, die von Machtspielchen, Intrigen und Zickenterror zusätzlich angeheizt wird. Nach dem Mord wird alles noch extremer. Man kann das Misstrauen und die Angst der Protagonisten fast am eigenen Leib spüren. Die unterschiedlichen Gefühle flirren wie Elektrizität durch die Luft und schaffen eine nervenaufreibene Atmosphäre, denn ein Entkommen ist auf offener See unmöglich.

"...er ging zurück zum Steuerrad und sah über das weite, leere Blau. Kein Segel in Sicht. Sie waren auf sich allein gestellt."

Wie auch die Frauen und Männer an Bord, weiß man auch als Leser nicht, wer der Täter ist. Man durchleuchtet die einzelnen Personen, achtet darauf wie sie sich geben, was sie sagen und irgendwie ist jeder auf irgendeine Weise verdächtig. Am Ende wird eine spannende Auflösung präsentiert, mit der ich so nicht gerechnet hätte.

Aufklärung erfährt auch die Handlung im Nebenschauplatz. Hier spielen sich Szenen ab, die man sich besser nicht im Detail vorstellen will. Man weiß nicht, in welchem Zusammenhang dieser Handlungsstrang mit der Situation auf der Yacht zusammenhängt, auch wenn womöglich bald ein Verdacht aufkeimt, sicher kann man sich hier ebenfalls erst zum Schluss sein.

"Sie stoppte abrupt. Erstarrte. Irgendetwas stimmte nicht. Hinter ihr. Rechts hinter ihr. Sie spürte, wie sich die Härchen in ihrem Nacken aufrichteten. Ein kalter Schauer rieselte über ihren Rücken. Sie hatte Angst, sich umzudrehen."

Marina Heib treibt in ihrem Thriller ein gelungenes und perfides Spiel mit der Angst, dessen klebriges Netz sich bis über den Leser ausbreitet. Zudem bedient sich die Autorin sämtlichen Klischees, die vor allem den Schönen und Reichen unserer Gesellschaft zugesprochen werden. Ein Aspekt, der mir, wie auch die sehr vielen ermüdenden fachspezifischen Ausdrücke rund ums Segeln, nicht so gut gefallen hat.

Die Charaktere sind facettenreich und jeder für sich spielt eine wichtige Rolle in diesem morbiden Theaterstück. Zum Sympathieträger hat es bei mir jedoch keiner der Figuren geschafft, dafür waren mir alle zu klischeehaft dargestellt.


Spannender und von der Norm abweichender, bis zum Schluss packender Thriller mit ungewöhnlichem Setting und nervenaufreibender Atmosphäre. Trotz den von mir erwähnten Schwächen eine klare Leseempfehlung!


Autorin: Marina Heib

Verlag: Pendragon
Erscheinungsdatum: 18.09.2019
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Flexibler Einband
Umfang: 400 Seiten

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