Sonntag, 29. März 2020

Haarmann von Dirk Kurbjuweit


Der Schlächter von Hannover – eher Sachbuch denn Kriminalroman

In den schwierigen Zeiten der 1920er Jahre, wird der Polizist Robert Lahnstein nach Hannover abbestellt, um bei der Aufklärung mehrerer Vermisstenfälle zu helfen. Es sind männliche Teenager, die verschwinden, spurlos und einer nach dem anderen. Immer mehr verzweifelte Eltern melden ihre Kinder als vermisst. Doch mit wem hat Lahnstein es zu tun? Treibt ein bestialischer Massenmörder sein Unwesen? Aus den Gerüchten wird bald Gewissheit, ein Psychopath versetzt das Deutschland der Zwischenkriegszeit in Angst und Schrecken. Schon bald führen die Spuren Robert Lahnstein zu Fritz Haarmann, doch diesem kann vorerst nichts nachgewiesen werden…


Wahre Verbrechen oder Kriminalfälle interessieren mich und üben zudem eine gewisse Faszination auf mich aus. Von dem „Schlächter“ aus Hannover, Fritz Haarmann, habe ich schon viel gehört, ein Buch über diesen Serienmörder habe ich noch nicht gelesen. Meine Erwartungen an den Kriminalroman „Haarmann“ von Dirk Kurbjuweit waren also dementsprechend hoch. Leider hat mich das Buch nicht so begeistert, wie ich es mir gewünscht hätte.


"Je näher er dem Präsidium kam, desto mehr wuchs seine Angst. Er wollte nicht, dass ein Elternpaar auf ihn wartete, Mutter und Vater, noch schlimmer: eine Witwe, die ihren Sohn, der seinem Vater so ähnelte, vermisste. Und wollte es doch."

Schon der Einstieg in die Geschichte viel mir deutlich schwer. Der Autor bedient sich kurzer knapper Sätze, die erstmal keinen schönen Lesefluss zulassen. Zudem kristallisiert sich mit der Zeit heraus, dass der Fokus der Story nicht alleine auf Fritz Haarmann und seinen Taten liegt. Es geht unter anderem auch, um das Deutschland in der Zwischenkriegszeit, eine Epoche, die als besonders politisch und wirtschaftlich instabil und krisenhaft beschrieben wird. Zudem liegt der Schwerpunkt auf dem ermittelnden Beamten Robert Lahnstein, dessen charakterliche Eigenschaften sehr gut herausgearbeitet wurden. Durch seinen Blickwinkel, seine Wahrnehmungen und sein Handeln wird die Story lebendig und für den Leser erlebbar. Lahnstein, ein Protagonist, mit dem ich trotzdem nicht richtig warm werden konnte.


Er erzählte detailliert, kalt und sachlich, als sei er der Lehrmeister vom Schlachthof und weise die neuen Lehrlinge in seine Künste ein, zeigt genau, wie er das Messer ansetzte, aus welcher Höhe er das Hackebeil fallen ließ."

Will man die Enttäuschung der ersten Seiten überwinden, muss man sich auf die Erzählung einlassen, die durchaus atmosphärisch und interessant geschrieben ist. Kurbjuweit geht intensiv auf die traumatisierten Familien, die verrohte Gesellschaft und die politisch unruhigen Zeiten ein. Spätestens dann, wenn Fritz Haarmann seinen Auftritt bekommt und endlich im Mittelpunkt der Geschehnisse steht, wird es richtig spannend und grausame Details werden offenbart und der Blick wird fokussiert auf eine physisch kranke Seele und unvorstellbare menschliche Abgründe.



Ein Kriminalroman, dessen Titel möglicherweise falsche Erwartungen weckt. Hier geht es nicht ausschließlich um den berüchtigten Serienmörder Fritz Haarmann, es werden vor allem die dunklen Seiten der unruhigen 1920er Jahre und die daraus resultierenden zeitgeschichtlichen Hintergründe beleuchtet. Ein ohne Frage gut recherchierter Roman, mehr Sachbuch denn Kriminalgeschichte, der mich aus den genannten Gründen nicht vollumfänglich überzeugen konnte. 





Buchtitel: Haarmann
Autor: Dirk Kurbjuweit

Verlag: Penguin
Erscheinungsdatum: 17.02.2020
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Fester Einband
Umfang: 320 Seiten

Kommentare:

  1. Huhu!

    Dieses Buch habe ich nun schon häufiger im Netz gesehen und deine Rezension klingt sehr interessant, auch wenn du nicht ganz zufrieden warst. Ich bleibe dir auf jeden Fall als Leserin :-)
    Isa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Isa,

      schön, dass Du bei mir vorbeischaust und mir als Leserin folgst. Freut mich! Wenn man weiß, was einem in dem Buch erwartet, dann ist es bestimmt anders und sehr interessant und spannend.

      Liebe Grüße
      Kerstin

      Löschen
  2. Hi! Das zu gewinnende Buch heißt Finster Thal :) ich würde mich sehr darüber freuen! Und Ostern verbringen wir mit der Familie - allerdings zum Brunch per Videokonferenz ;)

    AntwortenLöschen
  3. Hallo und guten Tag,

    O.K. gelbes Ei gefunden...es heißt Finster Thal...ja der Osterbesuch mit Kaffee und Kuchen bei Oma und Opa musste diese Jahr durch ein Telefonat ersetzt werden ...mein Jungs waren traurig, weil Oma immer so guten Kuchen macht...dieses Mal gab es als kleiner Ersatz kleine Häschen mit Zuckerstreusel von mir.

    LG..Karin..

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Stina, liebe Karin, eigentlich solltet Ihr Eure Kommentare unter dem eigentlichen Beitrag, also dem Beitrag zum Gewinnspiel Ostereiersuche@home posten, so steht es auch in dem Beitrag, der sich hinter dem Ei verbirgt.

    Viele Grüße
    Kerstin

    AntwortenLöschen

Achtung Datenschutz: Mit dem Versenden des Kommentars akzeptiere ich und erkläre mich einverstanden, dass meine Daten von Blogger gespeichert und weiterverarbeitet werden!