Freitag, 22. November 2019

Das Geschenk von Sebastian Fitzek


Willkommen im Urwald der unerwarteten Wendungen

Milan Berg ist Analphabet und schlägt sich auf seine ganz besondere, antrainierte Weise durch ein Leben voller Hieroglyphen. Milan steht mitten in der Stadt an einer Ampel, als ihm ein Wagen auffällt in dem ein Mädchen sitzt und einen Zettel gegen die Scheibe hält. Er kann natürlich nicht lesen, was darauf steht, es nicht mal erahnen, spürt aber intuitiv, dass das Mädchen Hilfe braucht. Er nimmt die Verfolgung auf und gerät in einen wahr gewordenen Albtraum, der ihn bis in seine Vergangenheit führt…

Sebastian Fitzek finde ich gut. Ich höre ihm gerne zu, wenn er in Interviews oder Talkshows von seinen Büchern erzählt und wie eine anfängliche Idee zum Plot wird. Aber auch seine Art und Ausstrahlung finde ich sympathisch. Außerdem hat er, zusammen mit seinem Verlag, stets originelle Marketing-Ideen für seine Bücher. 

„Das Geschenk“, so lautet der Titel seines aktuellen Psychothrillers, ist – selbstverständlich – in der Sonderedition wie ein solches verpackt. Ich bin ein Fan der Fitzek-Erstlingswerke, spätestens nach „Passagier 23“ jedoch war bei mir Schluss mit lustig. Und dann kam „Der Insasse“ der mir wärmstens empfohlen wurde und der mich versöhnt und die Hoffnung geweckt hat: der alte Fitzek is back!
Ähm….nein. Einmal mehr kann ich den Hype und die begeisterten Rezensionen und Meinungen zum aktuellen Werk nicht nachvollziehen.

Die Grundidee ist toll und hat mich schon im Vorfeld sehr neugierig auf das Buch gemacht. Wie wird die Umsetzung sein? Ein Analphabet auf Verbrecherjagd und Spurensuche, wie soll das funktionieren?

"Wie immer sah er nur ein Bild. Einen sinnlosen Hieroglyphenmix."

Ganz klar, Fitzek ist ein Meister im Erzählen, egal um was es geht, was für einen Plot er auch kreiert hat, man fliegt förmlich durch die Seiten und es wird selten langweilig. Die Story fängt wirklich gut und spannend an, von der Neugier getrieben lese ich Seite um Seite, Kapitel für Kapitel bis zu einem Punkt wo ich denke: echt jetzt? Wer ist denn jetzt nochmal wer und wer hängt mit wem nochmal wie zusammen und aus welchen Gründen? 

Abstruse, unlogische und konstruierte Wendungen reihen sich aneinander wie die Glieder an einer Kette. Realität und nachvollziehbares Handeln? Fehlanzeige! Natürlich gibt es auch hier subtile Psychospielchen und ja es stimmt, ein Thriller muss nicht immer realistisch sein, das Handeln der Protagonisten jedoch sollte durchaus logisch und nachvollziehbar sein. Selbst der für Fitzek typische und überraschende AHA-Effekt am Ende war nicht wirklich der Knaller. 

Leider enttäuschend und nicht das, was ich erhofft und erwartet habe. Das wars dann für mich erstmal wieder mit den Thrillern von Herrn Fitzek. Schade!


Auch wenn Sebastian Fitzek mich mit seinem Psychothriller „Das Geschenk“ aus den genannten Gründen nicht abholen konnte, so greift er doch ein gesellschaftlich relevantes aber oft übersehenes Thema auf. Tatsächlich gibt es über 6 Millionen Analphabeten in Deutschland, eine unglaubliche Zahl die mich ehrlich erschüttert. Vor allem die Tatsache, welchen Leidensweg die Betroffenen teilweise durchleben müssen ist unglaublich. Was das Buch sicherlich bewirkt  ist mehr Aufmerksamkeit und einen neuen, anderen Blickwinkel auf den Analphabetismus und seine Betroffenen.

Auf der Leipziger Buchmesse hat Sebastian Fitzek die „AlfaSelbsthilfe“ kennengelernt. Eine Selbsthilfegruppe ehemaliger Analphabeten und durch sie ist wohl auch die Idee zu seinem Thriller entstanden.  



Buchtitel: Das Geschenk
Verlag: Droemer
Erscheinungsdatum: 23.10.2019
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Fester Einband
Umfang: 368 Seiten

Kommentare:

  1. Hach Kerstin...ich setze ja immer mal wieder ein Fitzek-Buch aus, weil ich ähnliche Erfahrungen wie du gemacht habe. Ganz offensichtlich muss ich meine Pause bei diesem hier nicht bereuen, auch wenn ich die aufgegriffene Thematik interessant und wichtig finde. Damit habe ich mich jedoch schon vor langer Zeit ausgesöhnt. Sehen wir es mal so: sein nächstes Buch müsste nach meiner Rechnung besser werden. Und bis dahin bin ich mir sicher, dass dir noch einige gute Bücher begegnen werden. ;-)
    Sei mit ganz lieb gegrüßt, Hibi

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  2. Ja liebe Hibi, ich weiß. Ich bin eigentlich auch damit im Reinen, dass es so ist wie es ist. Ich werde die Bücher im Auge behalten, aber erstmal keines mehr lesen bis nicht jemand aus meinem Leseumfeld es mir ausdrücklich empfiehlt!

    Und gute Bücher gibt es in der Tat genug, da dürfte ich keine Probleme haben ;-)

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