Sonntag, 27. Januar 2019

Kill von Shane Stevens

Brutaler Thriller im dokumentarischen Stil – zu viele Längen rauben die Spannung

Thomas Bishop wächst in brutalen Verhältnissen auf. Seine Mutter, die nach einer Vergewaltigung einen grenzenlosen Hass auf Männer entwickelt, schlägt, foltert und peinigt ihr Kind auf unvorstellbare Weise. Mit zehn Jahren tötet Thomas seine Mutter und kommt daraufhin in eine psychiatrische Anstalt. Jahre später kann Bishop aus der Anstalt fliehen und hinterlässt eine blutige Spur der Gewalt in den USA, die das Land in seinen Grundfesten erschüttert…


Der bereits 2007 verstorbene Autor Shane Stevens galt mit seinen Thrillern in den USA lange als Geheimtipp. „Kill“ hat mich neugierig gemacht, weil das Buch auf realen Fällen basiert und diese durch einen fiktiven Serienmörder neu aufleben lässt. Klingt interessant und spannend und die Art und Weise wie das Buch beworben wird, legt die Messlatte hoch. Für mich bietet der Thriller jedoch nicht durchgehend, was der Klappentext verspricht.

Shane Stevens erzählt dokumentarisch und mit nüchtern gehaltener Schreibweise die Geschichte des Serienkillers Thomas Bishop und stellt ihn in den Mittelpunkt der Handlung. 

Der Leser erlebt seine Geburt und die Qualen, die Thomas in seinem erst kurzen Leben durch seine Mutter erleiden muss. Man verfolgt die Einweisung in die psychiatrische Anstalt und wird schließlich Zeuge seiner Flucht und den grauenvollen und brutalen Morden, die Bishop kreuz und quer durch die USA verübt. Die Art und Weise, wie er seine Opfer zurichtet, könnte grausamer und blutiger nicht sein. Bishop erliegt vollkommen seinem Wahnsinn. 

Aber Stevens beleuchtet hier nicht ausschließlich den Serienmörder Thomas Bishop. Es gibt auch zahlreiche Nebenschauplätze und Personen, die alle in irgendeiner Weise mit Bishop, dessen Flucht und Taten in Verbindung stehen. Es geht um Schlagzeilen, Korruption, Politik und Rache, aber auch um Geld und die Auswirkungen, die diese grausamen Morde auf die Gesellschaft und ihre Moral haben. In diesen Nebenhandlungen liegt meiner Meinung nach auch die Krux der Story. Stevens verstrickt sich immer wieder in den detailreichen Handlungen abseits des Kerngeschehens und verliert so den Fokus auf den eigentlichen Mittelpunkt der Erzählung. 

Thomas Bishop, als Charakter und Hauptdarsteller in dieser auf realen Fällen basierenden, aber fiktiven Erzählung, ist ein Meisterwerk. Seine Entstehung und Entwicklung vom gequälten Jungen zum Psychopathen, wird intensiv und aufschlussreich beleuchtet. Ebenso seine unvorstellbar grausamen und brutalen Morde, basierend auf seinem Wahnsinn werden detailreich geschildert. Ein intelligenter, harmlos und freundlich wirkender junger Mann, hinter dessen Fassade ein kranker und bestialischer Killer steckt.  



Stephen King sagt über den Thriller von Shane Stevens „Eines der besten Bücher über das Böse im Menschen, das je geschrieben wurde“. Möglicherweise wäre es das, wenn nicht zu viele Nebenschauplätze und Personen den Fokus vom eigentlichen Mittelpunkt der Story ablenken würden. 

Es entstehen unnötige Längen, die die Spannung und die Dramatik unterbrechen und das Lesen zäh werden lassen. „Kill“ wird als „die Mutter aller Serienkiller-Romane“ beworben. Dem kann ich leider nicht zustimmen, dafür fehlt es ein ums andere Mal am notwendigen Thrill und Nervenkitzel. Der Thriller ist extrem und brutal und an manchen Stellen beeindruckend, aber letztlich nicht hundertprozentig überzeugend. 




Buchtitel: Kill

Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 14.01.2019
Taschenbuch, 496 Seiten

Kommentare:

  1. Hallo Kerstin,

    vielen Dank für deine Einschätzung zu diesem Buch. Sein Ruf eilt ihm ja voraus, und ich hatte es schon auf meine Watch-Liste gesetzt (wie hochtrabend das klingt). Mir sind sogar schon ähnliche Kritiken dazu aufgefallen und ich wollte jetzt nur mehr auf eine Meinung meines Vertrauens warten. Und nein, dann lasse ich es bleiben. Es klingt schon etwas zäh.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      wow! Eine Meinung Deines Vertrauens! Das klingt toll und ich freu mich, dass meine Rezensionen Dir in der Wahl Deiner Bücher ein Stück weiterhelfen! Ich habe zu "Kill" irgendwie noch gar keine Meinungen gefunden. Muss ich nochmal nachschauen.

      Liebe Grüße
      Kerstin

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    2. Hallo Kerstin,

      ja, natürlich! Die Rezensionen meiner Buchvertrauten sind für mich das wichtigste Auswahlkritierium überhaupt, wenn ich mir bei einem Buch unsicher bin. :)

      Das Buch ist eine Neuauflage - zu einer älteren Version habe ich einiges gefunden. Zuerst dachte ich mir - DAS muss ich haben. Aber aufgrund dieser Rezensionen wollte ich mal abwarten, und siehe da, ich habe gut daran getan.

      Liebe Grüße & schönes Wochenende,
      Nicole

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    3. Muss ich mir doch direkt auch mal anschauen. Ich gebe natürlich auch viel auf die Meinung meiner Mit-Bibliophilen! ;-)

      Dir auch ein schönes Wochenende und viele Grüße
      Kerstin

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